Auszüge aus der 13. Ausgabe

Zusammenfassung der 13. Ausgabe:

Was können Sie für Ihr Kind tun?

Zwei zentrale Problemfelder des Autismus haben wir in dieser Ausgabe angesprochen: Das Problem einer Unterversorgung mit biologisch verfügbarem Schwefel und das Problem der "Nahrung-Opioide" bei der Verdauung von Getreide und Milch. Bereits in den jeweiligen Artikeln haben wir darauf hingewiesen, dass es unseren Kindern zwar eine große Entlastung bringt, wenn man eines der zentralen Probleme erfolgreich angeht, jedoch dabei andere Problemfelder nicht aus dem Auge verlieren darf. Wir wollen auf diesen beiden Seiten in Kürze versuchen, die bisher gewonnenen Einsichten in ein paar praktische Ratschläge umzusetzen:

Die drei Eckpfeiler einer fundierten biomedizinischen Therapie sind eine umfassende Darmsanierung, die Einhaltung einer gluten- und kaseinfreien Diät sowie die Ausleitung von Schwermetallen.

Selbstverständlich können wir keine pauschale Diagnose für alle autistisch Behinderten aufstellen, doch haben unsere Erfahrungen gezeigt, dass bei nahezu jedem autistisch behindertem Kind diese Maßnahmen erforderlich waren. Lässt man eine dieser Maßnahmen aus, dann reduziert sich der Erfolg erheblich, weil das unbehandelte Problem dem Erfolg der anderen Maßnahmen noch ständig entgegen wirkt.

Bzgl. Darmsanierung und Schwermetallausleitung haben wir in den vergangenen Ausgaben ausführlich berichtet und dürfen auf diese Ausführungen verweisen. Für beide Maßnahmen brauchen Sie einen Arzt, der dafür aufgeschlossen ist und diese Probleme ernst nimmt. Da diese beiden Maßnahmen hierzulande leider noch nicht von jedem Arzt praktiziert werden, raten wir eindringlich zur sorgfältigen Auswahl des Arztes. Eltern, die dies geschafft haben, berichten uns immer wieder begeistert, dass es endlich mit ihrem Kind vorwärts geht.

Wir haben in dieser Ausgabe über DMSO berichtet und dabei festgestellt, dass diese Substanz eine sehr große Bandbreite hinsichtlich ihrer Wirkung hat. Dies liegt vermutlich daran, dass das Schwefel-Problem bei allen der hier aufgezeigten Problemfelder beim Autismus eine große Rolle spielt. Wer es schafft, dieses Problem erfolgreich anzugehen, schafft deshalb einen großen Schritt nach vorne, wobei wir nicht den Eindruck erwecken wollten, als ob dies allein ausreichen würde. Wenn zwar der Körper ausreichend mit biologisch verfügbaren Schwefelverbindungen versorgt ist, dann steigert dies seine Selbstheilungskräfte ungemein. Autistisch behinderte Kinder dürften jedoch - je nach Einzelfall verschieden - bereits so stark geschädigt sein, dass die Selbstheilungskräfte allein zu schwach sind, auch wenn man das Schwefelproblem löst.

Ein Schwefelproblem dürfte es eigentlich gar nicht geben, weil mit der Nahrung ausreichend Schwefel zugeführt wird. Dass autistisch behinderte Kinder dennoch unter einem erheblichen Mangel an biologisch verfügbarem Schwefelverbindungen leiden, liegt daran, dass diese Stoffe nicht bzw. nicht genügend aus der Nahrung aufgenommen werden. Entscheidend ist nämlich nicht, was zum Mund in den Körper eingeht, sondern welche Nährstoffe schließlich vom Verdauungstrakt absorbiert werden (Stichwort: Darmsanierung).

Offensichtlich gibt es jedoch schon ein paar Möglichkeiten, dem Körper autistisch Behinderter von außen Schwefelverbindungen zuzuführen, welche er auch entsprechend verwerten kann. Dazu dürfte in erster Linie DMSO zählen.

DMSO wird jedoch - vermutlich aufgrund seiner Geschichte, aber auch aufgrund des Nachteils des starken Knoblauchgeruchs - derzeit auch in den USA kaum noch vermarktet. Statt dessen trat DMSO2 seine Nachfolge an, jedoch wurde dieses Produkt besser bekannt als MSM. Die Struktur von DMSO und MSM ist mit einer Ausnahme gleich, nämlich dass MSM über zwei Sauerstoff-Atome verfügt im Gegensatz zu DMSO, welches nur eines hat. Weiterhin entfällt bei MSM die Nebenwirkung "Knoblauchgeruch".

Über MSM haben wir bereits berichtet (siehe WE 10). Besondere Wirkungen schreibt man allgemein MSM in der Verbesserung des Wohlbefindens als auch in der Linderung von Nahrungsmittelallergien zu. Die Bandbreite der Wirkung dürfte jedoch bei autistisch Behinderten wesentlich größer sein. MSM ist in Deutschland direkt nicht erhältlich, doch wird das Produkt in der Europäischen Union angeboten. Man findet die Firmen, die MSM vertreiben, relativ leicht über das InterNet.

Wer ein deutsches Produkt erwerben will, dem seien Bärlauch-Extrakt-Kapseln empfohlen, welche es in jeder Apotheke gibt. Bärlauch ist eine heimische Pflanze, welche aufgrund ihres Geruchs auch wilder Knoblauch genannt wird und die man besonders im Frühjahr in den Wäldern findet. Bärlauch ist reich an Schwefelverbindungen, die offenbar vom Körper gut aufgenommen werden können. Man kann Bärlauch zwar auch als frischen Salat essen, jedoch kann die Gefahr bestehen, dass die Pflanze selbst schon Schadstoffe aufgenommen hat. Die Hersteller von Bärlauch-Extrakt werben damit, dass die von ihnen geernteten Pflanzen aus schadstoffarmen Gebieten stammen würden.

Ebenfalls im InterNet-Handel aus der EU erhältlich sind Glucosamine, wo es sich ebenfalls um biologisch leicht verfügbare Schwefelverbindungen handelt. Schließlich besteht noch die Möglichkeit, schwefeltragende Aminosäuren oral einzunehmen, von denen wir in unserem Bericht über Entgiftung gesprochen haben. Da die Aminosäure Cystein sehr leicht in Cystin umgewandelt wird, erscheint eine Nahrungsergänzung mit Cystein nicht sinnvoll; aber statt dessen kann man N-Acetylcystein nehmen, welches dann im Körper umgewandelt wird.

Jedes der hier aufgezählten Substanzen scheint in der Lage zu sein, den Mangel an biologisch verfügbarem Schwefel und die damit verbundenen Folgeerscheinungen zu lindern bzw. zu beheben. Doch beachten Sie bitte, dass jeder Mensch anders ist, also auch jedes autistisch behinderte Kind und dass bei dem Einem eine Substanz wahre Wunder vollbringt, während der Andere gar nichts oder kaum etwas spürt. Da bei allen den hier aufgeführten Substanzen keine Nebenwirkungen zu erwarten sind, wenn sie vernünftig eingesetzt werden, dürfte das Ausprobieren die beste Methode sein, um festzustellen, was das Kind braucht. Gleiches gilt auch für die Dosierung.

Enzym-Einnahme

Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnis dürfte es sich bei dem "Nahrungs-Opioid-Problem" in erster Linie um einen oder mehrere Enzymdefekte handeln, aufgrund dessen Gluten- und Kasein-Proteine nur unzureichend aufgespalten werden. Die Rolle von Enzymen im Stoffwechsel ist die, gewisse Vorgänge einzuleiten oder zu beenden. Die passende "Pille" zur Therapie dieses Problems wäre deshalb logischerweise das richtige Enzympräparat.

Über die Rolle des Enzyms DPP IV haben wir in dieser Ausgabe berichtet. DPP IV gibt es von Kirkman als Präparat, auch als Kombi-Präparat mit anderen Enzymen. Die Einnahme von Enzympräparaten dürfte höchstwahrscheinlich nicht schädlich sein und unserem Kind schon eine gewisse Erleichterung verschaffen, doch hat es derzeit noch den Anschein, als ob das "Nahrungs-Opioid-Problem" oral (also mit der Einnahme von Präparaten) nicht gelöst werden kann. Entweder wurde noch nicht das richtige Enzym bzw. die richtige Enzymkombination gefunden oder die Enzymkombination müsste bei jedem Betroffenen individuell anders aussehen oder der Mangel an Enzymen ist gar nicht das (vordergründige) Problem, sondern ihre Blockade.

Nur dort, wo eine gf/kf Diät absolut nicht möglich ist, sollte als Alternative über die Einnahme von Enzympräparaten nachgedacht werden.

Das wäre dann der Fall, wenn zum Beispiel das autistisch behinderte Kind eine oder mehrere Mahlzeiten außerhalb des Elternhauses zu sich nehmen muss.

Leider gibt es immer wieder diese Fälle, wo  Lehrer oder Erzieher keine Einsicht in die Notwendigkeit einer gf/kf Diät zeigen. Gerade wenn diese nicht hinter der Maßnahme stehen, dann wird es ganz, ganz schwierig. Da geben Eltern ihrem Kind zwar das gf/kf Essen mit, aber entweder wird die Einnahme von "verbotenem" Essen nicht kontrolliert bzw. unterbunden oder sogar mit Argumenten wie "Das Kind soll von der Gemeinschaft nicht ausgeschlossen werden!" sogar bewusst gefördert. Und kaum zwei Stunden später werden die Eltern angerufen, sie mögen ihr Kind abholen, weil es zwischenzeitlich unerträglich geworden sei.

In solchen Fällen wäre eine Enzymtherapie anstelle der gf/kf Diät eine Alternative und mit Sicherheit besser, als gar nichts zu machen. Allerdings stellt sich die Frage, welche Enzyme das Kind zu sich nehmen sollte.

Eine eindeutige Antwort hierfür gibt es nicht. Erstens weiß vermutlich niemand, welche Enzyme genau das einzelne Kind braucht. Zweitens sind nicht alle auf dem Markt befindlichen Präparate wie zum Beispiel die von der Fa. Kirkman Labs speziell für autistisch Behinderte entwickelten Präparate ohne Schwierigkeiten auch erhältlich. Drittens sind die Zusammenhänge, warum Enzyme bei autistisch Behinderten fehlen oder nicht wirken, immer noch nicht ausreichend erforscht.

Probieren Sie deshalb aus, welche Enzym-Präparate Ihrem Kind gut tun und kombinieren Sie mehrere Präparate oder geben Sie Ihrem Kind dazu viel frisches, enzymreiches Obst, falls es dies nicht verweigert (was bei autistisch Behinderten keine Seltenheit wäre). Doch am besten ist nach wie vor, die Einnahme von Gluten und Kasein so gut als möglich zu beschränken.

Der Erfolg hat viele Väter

Bei allen biomedizinischen Maßnahmen, die Ihr Kind durchführt, sollten Sie jedoch nie vergessen, dass eine Maßnahme allein in den meisten Fällen keinen befriedigenden Erfolg zeigt. Wenn Sie die gf/kf Diät konsequent durchführen, dann entlasten Sie damit auch den Darm und das Immunsystem. Je älter Ihr Kind jedoch ist, desto mehr ist zu befürchten, dass weitere Maßnahmen notwendig sind (Stichwort: “Eckpfeiler").

Eine grundlegende Darmsanierung dürfte immer eine gute Sache sein. Wenn durch geeignete Therapiemaßnahmen das Gleichgewicht zwischen "guten" und "bösen" Mikroorganismen wieder hergestellt worden ist und wenn die Darmwand wieder geheilt ist und ihre Schutzfunktion wieder erfüllt, dann dürfte - folgt man den Thesen von Prof. Shattock - auch die Nahrung kein Thema mehr sein, weil die "Nahrungs-Opioide" wieder ausgeschieden werden. Doch das ist die Theorie.

In der Praxis stellt sich uns jedoch das Problem, dass wir nicht wissen, wann der Heilungsprozess der Därme abgeschlossen ist und welche Schwierigkeiten sich unter Umständen schon während der Therapie dem entgegen stellen. Selbst ein guter, auf Naturheilverfahren spezialisierter Arzt hat ein gewisses Therapieschema, nach dem davon ausgegangen wird, dass nach einer gewissen Zeit die Therapie ihre Schuldigkeit getan habe. Es ist jedoch zu befürchten, dass diese Zeiträume bei unseren Kindern bei weitem nicht ausreichen. Beobachten Sie deshalb Ihr Kind gut und lassen Kontolluntersuchungen durchführen.

Auch wenn uns keine wissenschaftlich fundierten Aussagen darüber vorliegen, so lesen wir immer wieder davon, dass Störungen der Darmflora mit einer Schwermetallbelastungen einher gehen. Lassen Sie auch dieses Problem nicht außer Acht, indem Sie Ihr Kind untersuchen und ggf. therapieren lassen. Dann sind Sie und Ihr Kind auf dem richtigen Weg. Viel Glück dabei!