Auszüge aus der 13. Ausgabe

Fortsetzung des Beitrags „Die Sekretin-Erfolgsgeschichte in einem ganz neuen Licht betrachtet“:

Parker Beck bekam Sekretin mittels DMSO.
Was ist DMSO und welche Bedeutung hat es?

Um zu verstehen, was es mit DMSO auf sich hat und welcher Unterschied möglicherweise zwischen einer intravenösen Sekretin-Therapie und einer Therapie mit DMSO besteht, ist es zunächst einmal notwendig, über den Stoff selbst etwas zu berichten:

Die Geschichte von DMSO als ein pharmazeutisches Produkt begann 1961, als Dr. Jacob Direktor des Organtransplantationsprogramms der Oregon-Health-Sience-Universität war. Es begann damit, als er eine Flasche mit einer farblosen Flüssigkeit aufgelesen hat. Während er deren Potential als ein Schutzmittel für Organe erforschte, entdeckte er sehr schnell, dass dieser Stoff die Haut schnell durchdrang, ohne sie dabei zu verletzen. Er war verblüfft und begann, sich ein Leben lang für diesen Stoff zu interessieren.

Die Medien bekamen bald Wind von seiner Entdeckung, sodass es nicht lange dauerte, bis die pharmazeutische Industrie als auch Patienten mit den verschiedensten Beschwerden diese Neuigkeiten aufnahmen. Weil es zum industriellen Gebrauch verfügbar war, konnten sich die Patienten damit selbst behandeln. Vor allem Patienten mit chronischen Schmerzen waren von der Wirksamkeit von DMSO begeistert. Dennoch setzte sich DMSO in der Medizin nicht durch. "Es ist, als ob man einen eckigen Nagel in ein rundes Loch stecken will!" sagt Dr. Jacob. "DMSO entspricht nicht dem Grundsatz: Ein Mittel gegen eine Krankheit! Es ist das Aspirin unserer Zeit und wenn Aspirin erst heute entdeckt worden wäre, dann hätte es das gleiche Problem. Wenn Jemand Dir eine kleine weiße Pille gegeben hätte und gesagt hätte, dass diese Kopfschmerzen verschwinden lassen als auch die Körpertemperatur senken würde, dass sie vor Schlaganfällen und Herzkrankheiten schützen würde, was würden Sie denken?"

In der ersten Phase der Begeisterung über das Mittel waren 6 Pharmagesellschaften bereit, klinische Studien durchführen zu lassen. Im November 1965 starb jedoch in Irland eine Frau an einer allergischen Reaktion, nachdem sie DMSO und einige andere Medikamente genommen hatte. Obwohl die genaue Todesursache der Frau nie bestimmt wurde, so gab die Presse DMSO die Schuld. Zwei Monate später schloss die FDA aufgrund dieses Vorfalls die klinischen Untersuchungsreihen in den USA, um sich statt dessen auf Tierstudien zu konzentrieren, wo den Labortieren Dosierungen von DMSO gegeben wurden, die um ein Vielfaches höher waren als die, die man Menschen gegeben hätte.

Ca. 20 Jahre und Hunderte von Studien im Labor als auch am Menschen später wurde von keinem Todesfall mehr berichtet. Dennoch hat die FDA sich weiteren Studien gegenüber gesperrt mit einer Ausnahme, nämlich zur Behandlung von Harnblasenentzündung, wo DMSO seit 1978 verschrieben werden darf.

Die wichtigsten Eigenschaften von DMSO können auf einen kurzen Nenner gebracht werden: DMSO durchdringt Membrane und erleichtert den Schmerz.

Die erste Eigenschaft, welche Dr. Jacob bei DMSO feststellte, war die Fähigkeit, durch Membrane durchdringen zu können. Diese Fähigkeit wurde durch zahlreiche andere Forscher bestätigt. Diese Fähigkeit variiert jedoch mit seiner Dichte, bis zu einer 90%igen Lösung. Eine 70 bis 90%ige Lösung hat sich als die effektivste durch die Haut erwiesen und sonderbarerweise fällt die Leistung bei Konzentrationen über 90 %. Niedrigere Konzentrationen sind ausreichend, um andere Membrane zu durchqueren. Eine 15%ige DMSO-Lösung durchdringt noch leicht die Blase. Es kommt hinzu, dass DMSO andere Medikamente mit sich durch die Membrane nehmen kann. Einige Medikamente wie Morphin-Sulfate, Penicillin, Steroide und Kortison trägt es viel erfolgreicher als andere Trägerstoffe wie zum Beispiel Insulin. Was es trägt, hängt von dem molekularen Gewicht, der Form als auch der Elektrochemie der Moleküle ab. Diese Eigenschaft ermöglicht DMSO, als ein neues Medikamente-Transport-System zu agieren, was das Risiko von Infektionen senkt, wenn die Stoffe durch die Haut eingenommen werden.

Am meisten dürfte jedoch DMSO als ein schmerzlinderndes Mittel benutzt worden sein als eine Lösung mit 70% DMSO und 30% Wasser.

Verbrennungen, Schnittwunden und Verstauchungen wurden schon mit DMSO behandelt. Es wird von Erleichterungen berichtet, die meistens recht bald, jedoch spätestens nach 6 Stunden auftreten. Eine Anzahl von Sportlern und olympischen Athleten haben DMSO schon benutzt, wenngleich einige auf andere Behandlungsformen gewechselt sind. Bei der Anhörung des Gesundheitsausschusses des US-Senats sagte Dr. Jacob 1980:

"DMSO ist eines der wenigen Mittel, wo seine Effektivität vor den Augen seines Betrachters demonstriert werden kann. ... Wenn hier Patienten mit angeschwollenen, verstauchten Knöcheln erscheinen würde, dann würde einer Anwendung von DMSO die für alle sichtbare Abnahme der Schwellung folgen. Keine andere therapeutische Anwendung kann dies ebenfalls tun!"

Chronische Schmerzpatienten müssen DMSO 6 Wochen lang einnehmen, bevor sie Änderungen verspüren, aber viele berichten von Entlastung in einem Grad, welche sie von keinem anderen Mittel bisher erfahren haben.

DMSO reduziert Entzündungen mit verschiedenen Mechanismen. Es ist ein Antioxidant, ein Fänger von freien Radikalen, die sich um eine Entzündung scharen. Diese Fähigkeit wurde schon in Experimenten mit Labortieren als auch bei 150 Patienten mit Dickdarmentzündungen in einer doppel-blind-kontrollierten Studie in Bagdad (Irak) beobachtet. Weiterhin stabilisiert DMSO die Membrane und verringert oder beendet die Durchlässigkeit von verletzten Zellen.

In der Cleveland Klinik im Bundesstaat Ohia (USA) wurden 1978 213 Patienten mit entzündlichen urogenitalen Störungen beobachtet. Die Forscher waren der Meinung, dass DMSO der Mehrheit der Patienten bedeutende Linderungen der Beschwerden gebracht hat. Sie empfahlen das Mittel für alle Entzündungen, die nicht von einer Infektion oder einem Tumor hervorgerufen worden sind, wo die Symptome ernst waren oder die Patienten auf keine konventionelle Therapie angesprochen haben.

Dr. Stephen Edelson, Umweltmediziner aus Atlanta, hat DMSO 4 Jahre lang ausgiebig eingesetzt. "Wir haben es intravenös als auch lokal eingesetzt!" sagte er. "Wir benutzten es bei allen möglichen Entzündungsformen, bei Leuten mit rheumatischer Gelenkentzündungen bis hin zu Leuten mit chronischen Kreuzschmerzen, Silicon-Vergiftungs-Symptomen als auch bei Autoimmunerkrankungen jeder Art.

Seit 1971 untersuchte Dr. de la Torre (Universität von Chicago) DMSO bei Verletzungen des zentralen Nervensystems. In Tierversuchen entdeckte er, dass DMSO den Schädel-Innen-Druck schneller und effektiver als jedes andere Medikament senkt. DMSO stabilisiert auch den Blutdruck, verbessert die Atmung und erhöht die Urinausscheidung als auch den Blutdurchfluss von der Hirnrinde zu den verletzten Gebieten. Seitdem wurde DMSO bei Patienten angewandt, die unter schweren Hirntrauma litten. Zunächst waren dies Jene, deren Kopfinnendruck trotz des Einsatzes von Mannitol, Steroiden und Barbituraten hoch blieb. Bei Menschen als auch bei Tieren hat es sich gezeigt, dass DMSO das erste Mittel ist, welches den Druck im Kopf deutlich senkt.

Obwohl über DMSO viel Segensreiches berichtet wurde, verschwand diese Substanz völlig aus dem Interesse der Medizin. Auf die Frage, warum dies so geschehen ist, können Sie die Antwort selbst finden, wenn Sie folgende Tatsachen berücksichtigen:

Zunächst war es keinem Pharmaunternehmen möglich, ein Patent für DMSO zu erhalten, weil es diesen Stoff schon gab. Wie soeben berichtet wurde, hat DMSO eine sehr breite Wirkungsweise, auf die wir in dieser Ausgabe noch näher zu sprechen kommen. DMSO hätte vielleicht viele, bereits auf dem Markt befindlichen Medikamente ersetzt. Studien hingegen sind bekanntlich sehr teuer. Da ein Pharmaunternehmen wirtschaftlich orientiert sein muss, liegt die Antwort eigentlich auf der Hand.

Es gibt jedoch einen weiteren wichtigen Umstand, der doppelblind-kontrollierte Studien mit DMSO praktisch unmöglich machte. Bei solchen Studien ist es unbedingt notwendig, dass weder Arzt noch Patient wissen, ob der Wirkstoff oder ein Placebo verabreicht worden ist. DMSO hat jedoch eine bedeutende Nebenwirkung: Kurze Zeit nach Verabreichung riecht der Patient stark nach Knoblauch, was nicht nur den Einsatz von Placebos zu Studienzwecken, sondern auch die spätere Vermarktung des Produkts schier unmöglich macht.

Soweit die Redaktion dies richtig beurteilen kann, dürfte also DMSO über viele gute Eigenschaften, jedoch über einen schlechten Ruf verfügen. Vielleicht wird daraus verständlich, warum bisher kaum bekannt geworden war, dass das erste "Sekretin-Kind" die Substanz mittels DMSO bekommen hatte.

Wir fassen bis hierher wie folgt zusammen:
DMSO ist eine Substanz, welche feinste Membrane des Körpers und deshalb auch die Haut durchdringen kann, ohne dabei die Substanz zu verletzen. DMSO kann dabei andere Stoffe mit sich tragen und durch Membrane transportieren. Daneben scheint DMSO selbst eine heilende Wirkung bei vielen verschiedenen Erkrankungen und Störungen zu besitzen.

Lesen Sie weiter den Beitrag "Hat DMSO eine Bedeutung beim Autismus?“