Auszüge aus der 13. Ausgabe
Mikroben und ihre Rolle beim Autismus:

Andere pathogene Mikroben

Zur Darmflora gehören auch potentielle Krankheitserreger wie das soeben erwähnte Clostridium-Bakterium.

Solange die natürliche Darmflora im Gleichgewicht ist, werden sie in Schach gehalten und die krankheitserregende Wirkung unterdrückt. Ist aber das Verhältnis gestört, nehmen diese Krankheitserreger überhand und entfalten so ihre Wirkung.

Dr. Shaw hat im Urin autistisch behinderter Kinder ein Stoff gefunden, welcher als Stoffwechselprodukt von Clostridium identifiziert werden konnte. Als Folgen dieses giftigen Stoffs werden schwere neurologische, psychiatrische oder gastrointestinale Störungen genannt, wobei neben Autismus auch schwere Depressionen, psychotisches Verhalten, Schizophrenie als auch Kombinationen davon genannt werden. Einige Autoren sprechen auch davon, dass Clostridium-Bakterien die Entstehung von Krebs (vor allem Darmkrebs) fördern.

Vor kurzer Zeit verstarb ein junger, autistisch behinderter Mann aus unserer Region an Krebs. Seinen Eltern gilt unsere herzliche Anteilnahme. Es liegt uns deshalb fern, dieses tragische und für die Angehörigen schmerzliche Ereignis als "Pseudo-Beweis" für die Potenz von Clostridium-Bakterien aufzuführen. Das können und wollen wir nicht. Wir wollen jedoch uns Eltern dafür sensibilisieren, dass wir nicht nur an den Autismus unserer Kinder denken dürfen, weil pathogene Mikroorganismen vermutlich noch viel gefährlicher sein können.

Ein anderes Beispiel: EHEC (Escherichia coli) –Bakterien bewohnen eigentlich den Darmtrakt von Rindern und werden zumeist über die Nahrungskette (z. B. Milch) übertragen. Die Gifte, die diese EHEC-Bakterienstämme unter Umständen freisetzen, können bei Kindern zu tödlichem Nierenversagen führen. Ein erschreckender Gedanke, den man am liebsten gleich wieder verdrängen möchte.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Die Rede ist bisher nicht von schädlichen Mikroorganismen aus unserer Umwelt, vor denen wir uns durch strenge Hygienemaßnahmen schützen könnten, sondern von in uns wohnenden Untermietern. Wenn diese so gefährlich sind, dann wäre es zunächst logisch, dass alle Menschen diese Gefährlichkeit spüren müssten. Dem ist allerdings nicht so, denn wie wir alle wissen, gibt es Menschen, die bis ins hohe Alter hinein sich einer guten Gesundheit erfreuen.

Der russische Biologe und spätere Nobelpreis-Träger Eli Metchnikoff, der um 1900 in Paris arbeitete, muss sich ähnliche Gedanken gemacht haben. Er wusste, dass die bulgarischen Bergbauern ein überdurchschnittlich hohes Alter erreichten und sich bis ins hohe Alter bester Gesundheit erfreuten. Bei seinen Untersuchungen stellte er eine Gemeinsamkeit fest, nämlich den hohen Konsum von fermentierten Milchprodukten. Den für die Fermentation der Milchprodukte maßgeblichen Mikroorganismus nannte er deshalb Bacillus bulgaricus, heute bekannt als Lactobacillus bulgaricus.

Es wird geschätzt, dass über 400 verschiedene Bakterienarten als unsere ständigen Untermieter im Magen-Darm-Trakt leben. Viel zu wenig weiß man bisher über die Zusammensetzung der Darmflora, über die Wechselbeziehungen der verschiedenen Bakterienstämme untereinander und welchen Einfluss sie auf unser Wohlbefinden haben können.

Wie kann es also kommen, dass Mikroorganismen, die in jedem Menschen leben, bei dem Einen ein Leben lang sich friedlich verhalten und bei dem Anderen mitunter schwere Erkrankungen auslösen können?

Der französische Forscher Pierre Jaques Antonie Bechamp war bereits 1866 einer der ersten, der die Theorie aufstellte, dass sich Mikroorganismen von niedrigeren, harmlosen Wachstumsformen zu höheren und weitaus pathogeneren Erscheinungsformen verwandeln können. Lange Zeit wurde er deswegen stark bekämpft und galt als Spinner, vielleicht auch deswegen, weil seine Theorien kontraproduktiv zu dem damals aufkommenden Bewusstsein notwendiger Hygienemaßnahmen waren. Damit kein Missverständnis aufkommt: Hygiene hat nach wie vor einen wichtigen Stellenwert in der Gesundheit des Menschen, was die Infizierung mit pathogenen Mikroorganismen aus unserer Umwelt betrifft.

Einer der wesentlichsten Gegner Bechamp's war der französische Chemiker Louis Pasteur. Er wandte sich vehement gegen das pleomorphistische Gedankengut Bechamp's. Pasteur gelang es, durch seine Autorität und den Einsatz großer finanzieller Mittel, die Bechampsche Auffassung noch zu dessen Lebzeiten völlig auszuschalten und den Monomorphismus ("Mikrobe bleibt Mikrobe und ändert sich nicht") als Grundlage der Mikrobiologie durchzusetzen.

Prof. Dr. G. Enderlein (1872 bis 1968) nahm Bechamp's Grundsatz "Le microbe n'est rien, le terrain c'est tout" (zu deutsch: "Nicht die Mikrobe ist bedeutend, sondern das Umfeld, in der sie lebt!") wieder auf, als er im Zuge seiner Forschungen kleinste bewegliche Lebewesen im Mikroskop beobachtete, welche sich mit höher organisierten bakteriellen Formen vereinigten und danach die ursprüngliche bakterielle Form zerstört wurde. 1925 veröffentlichte Enderlein seine Entdeckungen und stieß allerorts, insbesondere in der medizinischen Fachwelt auf Ablehnung.

Prof. Dr. Enderlein als auch nachfolgend Dr. Wilhelm von Brehmer brachten diese Veränderungen, die sie bei Mikroben im Blut beobachtet hatten, mit schweren Krankheiten wie Herzinfarkt als auch Krebs in Verbindung, jedoch gehören ihre Erregertheorien auch heute noch immer nicht zur wissenschaftlichen Lehrmeinung.

Selbstverständlich steht uns als Redaktion einer Elternzeitschrift kein Urteil zu, wer hier Recht hat und wer nicht. Es macht allerdings schon nachdenklich, dass die Wissenschaft nicht nur beim Autismus sondern auch bei der Volkskrankheit Herzinfarkt, an der immerhin jährlich viele Menschen sterben, immer noch keinen schlüssigen Erklärungsansatz hat finden können. Beim Herzinfarkt spricht die Fachwelt lediglich von Risikofaktoren, die es zu vermeiden gilt. Doch während zum Beispiel ein Raucher seinen ersten Infarkt Mitte seines Lebens hat, raucht der andere mit 80 noch täglich gesund und munter seine Zigarettchen. Wichtige Fragen, auf die die Wissenschaft auch heute noch keine passende Antwort hat. Doch zurück zu unserem ursprünglichen Thema:

Folgt man dem Lehrsatz Bechamps, dann muss die Frage nicht lauten: "Warum verändern sich die Mikroben?, sondern: "Warum verändert sich das Milieu, in dem sie leben?"

Wir haben einen Teil der Antwort am Beginn dieses Abschnitts bereits gegeben: Solange die natürliche Darmflora im Gleichgewicht ist, bleibt auch das Milieu stabil. Das beginnt damit, dass das numerische Verhältnis zwischen "guten" und "potentiell schädlichen" Mikroben stimmen muss. Das geht weiter, dass der pH-Wert (der Säuregrad) anscheinend eine ganz gewichtige Rolle dahingehend spielt, ob Mikroben sich verändern oder nicht. Da die Mikroben unterschiedlich saure Stoffwechselprodukte produzieren oder ausscheiden, kann der pH-Wert dadurch sich deutlich verändern, wenn sich das Verhältnis der Mikroben ändert. Der letzte Punkt ist der, dass sich die Beschaffenheit der Schleimhäute im Darm als auch die Potenz des Mukosa-Immunsystems abhängig davon ändern können, welche Mikroben die Darminnenwand besiedeln. Am Beispiel des Candida albicans haben wir dies bereits in diesem Beitrag dargelegt.

Konkretisiert man die Frage, welches Ereignis bei Kindern mit Autismus diese Veränderung eingeleitet haben könnte, dann steht als erstes die vermehrte Gabe von Antibiotika in Verdacht, weil viele unserer Kinder bereits in sehr jungen Jahren viele Antibiotika bekommen haben.

Es steht außer Frage, dass auch Antibiotika ihren Stellenwert in der Gesundheit von uns Menschen haben. Es gibt viele schädliche Mikroorganismen in unserer Umwelt, die uns größten Schaden zuführen können, wenn sie nicht konsequent bekämpft werden. Sobald unser Immunsystem damit überfordert ist, bedarf es dem Einsatz von Antibiotika. Dieses Prinzip ist logisch und verschafft uns Sicherheit vor Krankheitsepidemien, wie sie unsere Vorfahren noch gekannt haben. Allerdings hat es den Anschein, als ob die Menschheit es mit dem Einsatz von Antibiotika übertrieben hätte.

Antibiotika vernichten gründlich Mikroorganismen, wenn diese nicht dagegen resistent geworden sind. Wir nehmen nicht nur Antibiotika ein, wenn sie uns vom Arzt verordnet worden ist. In der Landwirtschaft, sei es Ackerbau oder Viehzucht, wird schon lange Antibiotika zur Steigerung des Ertrags eingesetzt. Da immer mehr Stämme dagegen resistent geworden sind, bedarf es immer neuerer Entwicklungen im Bereich der Antibiotika. Die Spirale beginnt sich immer mehr zu drehen, die Antibiotika müssen immer mehr aggressiver werden, sollen sie noch wirken.

Was als Freund und Helfer unseres Immunsystems gedacht war, kann sich zu dessen ärgstem Feind entwickeln. Solange Antibiotika im Einsatz ist, macht sie den in uns lebenden Mikroorganismen den Garaus, den "bösen" als auch den "guten". Alle Bakterien werden nie getötet, denn ohne sie könnten wir nicht leben.

Nach Ende der Antibiotika-Therapie regelt unser Immunsystem, dass der Wiederaufbau der Darmflora wieder in geordneten Bahnen geschieht. Und alles ist wieder in Ordnung - zumindest bei den Menschen, bei denen das Immunsystem noch in Ordnung ist.

Ist das Immunsystem jedoch vorher schon angeschlagen, dann funktioniert dieser Mechanismus jedoch nicht oder nicht richtig. Viele Autismus-Forscher vermuten, dass Kinder mit Autismus schon in sehr jungen Jahren Defizite im Immunsystem hatten oder erworben hatten. Es mag sein, dass hier eine genetische Komponente für die Entstehung von Autismus die Ursache ist. Vielleicht war es bei unseren Kindern auch nur die Verkettung von vielen ungünstigen Eigenschaften, die dazu geführt haben. Eines scheint jedoch sicher zu sein, dass nämlich Kinder mit Autismus mehr oder minder große Defizite im Bereich des sehr komplizierten Immunsystems aufweisen. Werden Kinder mit Autismus untersucht, so ergibt sich sehr oft das Bild von ungewöhnlichen Immunreaktionen, auf die viele Ärzte keine passende Antwort haben.

Mit Sicherheit spielen auch die Impfungen in der frühen Kindheit eine ganz entscheidende Rolle, ohne dass damit den Kinderärzten ein Verschulden nachgesagt werden soll. Schließlich werden fast alle Kinder mit den gleichen Impfstoffen geimpft und nur wenige entwickeln später die Symptome des Autismus.

Bei Untersuchungen durch Elektronen-Mikroskopie fanden sich zum Beispiel lebende Masernvieren in der Darmwand von Kindern mit Autismus. Der amerikanische Autismusforscher Dr. Gupta untersuchte Mütter von jungen Kindern mit Autismus und fand bei diesen relativ große Mengen an Antikörper gegen Masern. Gupta hält es für möglich, dass die Mutter über die Plazenta dem noch ungeborenen Kind diese Antikörper mit geben kann. Wird das Kind dann geboren und geimpft, so kommt es zu einer Immunreaktion gegenüber dem Impfstoff, die allerdings anders abläuft als bei Neugeborenen, bei denen das Immunsystem bis zur Impfung "noch unwissend" ist. Dr. Shaw drückt es so aus: "Das noch junge Immunsystem wird verunsichert!"

Wir wissen alle, dass sich in Wirklichkeit die Vorgänge wesentlich komplizierter darstellen als soeben geschildert. Auch ist es sehr wahrscheinlich, dass nicht nur ein ungünstiger Faktor sondern mehrere daran mitgewirkt haben, dass unsere Kinder seit ihrer Kindheit mit Abnormalitäten in den immunen Systemen zu kämpfen haben. Aber auch ohne eine detaillierte Darlegung all der denkbaren Vorgänge wird doch verständlich, warum vermutlich das Gleichgewicht in den Därmen unserer Kinder derart gestört ist.

Vermutlich gibt es viel mehr potentiell giftige Mikroben, die tagtäglich in uns wohnen, von denen wir als auch die Fachwelt bisher keine Ahnung haben. Wir wollen hier kein Horrorszenario vorführen. Die Auswirkungen dieser pathogenen Mikroben kennen wir vermutlich längst schon, allerdings sind sie uns als Krankheiten und Beschwerden bekannt, wo bisher kaum Jemand vermutet, dass sie ihren Ursprung im Darm haben.

Die Fachpersonen, welche sich mit diesen Phänomenen befassen, werden auch in den nächsten Jahren vorwiegend aus dem Kreise der Heilpraktiker und nur unwesentlich aus dem Kreis der Ärzte kommen. Dies hat seinen Grund darin, dass sowohl die Ausbildung der Ärzte als auch die medizinische Forschung größtenteils darauf ausgelegt sind, eine akute Krankheit möglichst schnell zu lindern, zu bessern oder zu heilen. Diesbezüglich vollbringen die Mediziner sicherlich große Leistungen, die anerkennungswert sind. Dass diese Vorgehensweise erhebliche Mängel und Lücken in der medizinischen Versorgung haben kann, erkennen meist nur die chronisch Kranken, die dann von Arzt zu Arzt laufen, ohne dass ihnen effektiv geholfen werden kann.

Nächster Beitrag: Der Einsatz von Probiotika