Auszüge aus der 13. Ausgabe
Mikroben und ihre Rolle beim Autismus:

Candida albicans, Bedeutung und Therapie

Wie bereits erwähnt, hat jeder von uns Candida in sich. Als Hefe in einer einzelligen Form ist Candida völlig harmlos. Dr. Shaw erläutert eindrucksvoll, dass sich Candida jedoch weiter entwickeln kann: Zunächst zu einer Kolonie von Zellen (Mycelium), dann kann Candida Sporen bilden und so erheblich an Widerstandskraft gewinnen und schließlich kann sich Candida in eine Form mit unvollständiger Zellwand verwandeln. Bereits die Kolonien oder die Sporen können in lebendes Gewebe eindringen, mit unvollständiger Zellwand kann sich die Hefe sogar in körpereigenen Zellen regelrecht verstecken.

Wir haben in dieser Ausgabe bereits den Vorgang der Zerstörung der Darmwand durch Candida erwähnt. Die einzellige Form ist dazu nicht in der Lage, erst die höher entwickelten Formen, die sich wie Efeu an der Hauswand in die Darminnenwand verankern können. Daneben beginnen sie, einen eigenen Stoffwechsel aufbauen. Neben der Zerstörung der lebenden Barriere "Darminnenwand" bereiten gerade die Stoffwechselprodukte der Candida größte Probleme bei dem Menschen, in dem sie wohnen.

Dr. Shaw berichtet in seinem bereits erwähnten Buch, welches nochmals zur besseren Lektüre empfohlen wird, von einigen schädlichen Substanzen, welche er im Zuge seiner langen Forschungen nachweisen konnte. Arabitol zum Beispiel ist ein Hefe-Kohlenhydrat, welches von der Candida produziert wird. Unser Körper verstoffwechselt diesen Stoff zu Arabinose, einem Zucker, welcher in kleinen Mengen ganz natürlich auch in anderen Nahrungsmitteln wie zum Beispiel Äpfeln vorkommt. Die Aldehydgruppe der Arabinose kann sich mit Lysin verbinden und so ein neues Kombi-Molekül erzeugen. Dieses wiederum bildet weitere Querverbindungen zu anderen Aminosäuren eingehen, sodass es am Ende dieser Kette zu einem sogenannten Pentosidin kommen kann. Ein Pentosidin ist letztendlich eine zusammengefügte Gruppe von Proteinen, die eigentlich gar nicht zusammen gehören. Dadurch wird deren biologische Struktur verändert als auch ihre Funktionsfähigkeit erheblich gestört wenn nicht sogar blockiert werden. Das Schlimmste an einem Pentosidin ist jedoch dies, dass diese Querverbindungen zumindest zur Zeit noch als unlöslich gelten.

Bezüglich der genauen Wirkungsweise als auch deren Folgen, die lt. Shaw für sämtliche Körperfunktionen verheerend sein können, dürfen wir auf das Buch verweisen. Damit sich jedoch unsere Leser ungefähr ein Bild vom Ausmaß eines solchen Vorgangs machen können, sei kurz erwähnt, dass Dr. Shaw von einem Fall berichtet, wo die Auflösung der Myelinschicht festgestellt wurde. Die Myelinschicht wirkt an den Nervenleitungen wie die Isolation bei einem Stromkabel. Wenn diese fehlt, kommt es zum Kurzschluss. Wundern wir uns da noch, wenn wir feststellen, dass die Wahrnehmungsverarbeitung bei unseren Kindern in einem Ausmaß gestört ist, welches unsere Vorstellungen sprengt?

Substanzen wie Glutathion, Biotin, Vitamin B6 oder C als auch Lipoinsäure können der Bildung von Pentosidinen entgegen wirken, wobei wir wieder bei den segensreichen Wirkungen von gewissen Nährstoffen, insbesondere Vitamin B6 beim Autismus wären. Besser wäre es jedoch, den Verursacher auszuschalten. Dennoch sind diese Mittel insbesondere bei einer Candida-Behandlung von Bedeutung, weil die absterbenden Hefen kurz vor ihrem Tod das meiste Gift ausscheiden können.

Ein weiteres Beispiel für die potentielle Schädlichkeit von Candida-Hefen ist ihr Stoffwechselprodukt Weinsäure. Ihre Konzentration im Urin der Testperson gibt verlässlich darüber Auskunft, wie stark der Organismus mit Candida bereits belastet ist. Diese Untersuchung ist wesentlich genauer als die Suche nach Candida im Stuhl oder im Blut, wie Dr. Shaw berichtete. Damit sind die guten Eigenschaften der Weinsäure bereits erschöpft, denn es handelt sich hier um eine hochgiftige Substanz.

Wie Dr. Shaw in seinem Buch weiter ausführt, ist Weinsäure ein Analogon zur Apfelsäure, welche im Krebs-Zyklus, also in der Energiegewinnung in den Zellen, eine bedeutende Rolle spielt.

Die Wirkungsweise eine Analogons ist sehr tückisch, welches am besten mit folgendem Beispiel erklärlich ist: Vor über 20 Jahren waren bei unseren Autos die Türschlösser noch wesentlich einfacher konstruiert als heute. Wenn man seinen Wagen mit einem anderen gleichen Typs verwechselte, dann konnte es passieren, dass man den Schlüssel problemlos in das Schloss stecken konnte. Erst wenn man umdrehen wollte, dann merkte man erst, dass da etwas nicht stimmte. Angenommen, die Schlösser seien damals so konstruiert gewesen, dass man den Schlüssel nicht mehr hätte abziehen können, dann können sie sich vorstellen, welche Wirkung ein Analogon im Stoffwechsel hat:

Die Weinsäure geht dort Verbindungen ein, wo eigentlich nur die Apfelsäure Verbindungen eingehen sollte. Nachdem die Verbindung geschlossen worden ist, entfaltet jedoch die Weinsäure nicht die gewünschten Wirkungen der Apfelsäure und es kommt zu Störungen bzw. Abbruch des Stoffwechsels in der betroffenen Zelle.

Doch damit noch nicht genug, was die möglichen schädlichen Wirkungen von Candida betrifft: Wie Dr. Shaw auch ausführt, können Hefen und Pilze Gliotoxine produzieren. Das sind Stoffe, die giftig für das Immunsystem sind, weil sie die DNA der weißen Blutkörperchen zerstückeln können. Wer einen Hund hat, der schätzt das Tier sowohl als treuen Gefährten als auch als Beschützer. Auch der kleinste Hund kann wertvolle Dienste uns leisten, wenn er nur durch sein Bellen uns Geräusche anzeigt, die wir nicht gehört hätten. Wir würden unsere Meinung über unseren Hund früher oder kurz ändern, wenn das Tier plötzlich nicht mehr Freund und Feind unterscheiden könnte und uns oder unsere Familienangehörigen vielleicht sogar angreifen würde. Ähnliches passiert, wenn die weißen Blutkörperchen nicht mehr Freund und Feind unterscheiden können, weil ihre DNA verändert worden ist. Auch wenn die Vorgänge sicherlich wesentlich komplizierter sich darstellen, so ist dies eine Erklärung, warum Autoimmunkrankheiten entstehen können.

Doch Dr. Shaw geht noch weiter: Seiner Meinung nach entfalten Gliotoxine auch schädliche Wirkungen auf andere Mitglieder unseres Immunsystems, nämlich die T-Lymphozyten und die Fresszellen (Makrophagen).

Gliotoxine können die Sulfhydryl-Gruppen der Proteine derart schädigen, dass viele Enzyme nicht mehr richtig funktionieren können.

Schließlich führt Dr. Shaw aus, dass Gliotoxine freie Radikale erzeugen können, womit wir spätestens jetzt bei der Erkenntnis angelangt sind, dass Candida mit mehr als "nur etwas Durchfall" zu tun haben mag. Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch bei Krebs weist die Wissenschaft immer wieder darauf hin, welche fürchterliche Rolle freie Radikale dabei spielen.

Diese Ausführungen über die schädigende Potenz von Hefen wie Candida albicans sind nur einige ausgesuchte Beispiele, über die Dr. William Shaw in seinem Buch berichtet hat.

Lesen Sie das Buch und Sie werden feststellen, wie viele Querverbindungen es zwischen einer Candida-Überwucherung und den Störungen unserer autistisch behinderter Kinder geben kann.

Auf keinen Fall sollte dies länger bagatellisiert werden, weshalb wir nun zum wiederholten Male davon berichtet haben. Abschließend verweisen wir auf unsere 11. Ausgabe, wo wir über die Eppelheim-Fachtagung berichtet hatten. Als eine seiner jüngsten Entdeckungen hatte Dr. Shaw die von ihm erforschten Vorgänge erklärt, die von Candida ausgehend zu der Unverträglichkeit unserer Kinder auf Gluten und Kasein führen.

Dass dabei Opioide gebildet werden, die auf das Gehirn wie Rauschgifte wirken, haben wir bereits mehrfach erwähnt.

Vielleicht mögen jetzt Einige denken: Diese ganzen Ausführungen beziehen sich nur auf einen Wissenschaftler, der sich da in etwas verrannt hat. Dem ist allerdings nicht so. Es stimmt sicherlich, dass viele andere Wissenschaftler oder Ärzte nach wie vor die Bedeutung von pathogenen Hefen leugnen oder bagatellisieren, doch es gibt immer mehr Ärzte und Heilpraktiker, die bekennen, dass viele Krankheiten ihren Ursprung im Darm haben. Als Beweis dessen würden wir Ihnen abschließend aus einer Mitgliederbroschüre einer gesetzlichen Krankenkasse zitieren, die allerdings derzeit nicht mehr erhältlich ist. Darin wird Folgendes ausgeführt:

"Pilzinfektionen mit krankmachenden Hefen treten heute immer öfter auf. Häufigster Erreger einer solchen "Candida-Mycose" ist die Hefe Candida albicans. Diese kommt zwar bei vielen Menschen im Darm vor, ohne zunächst Beschwerden zu verursachen, sie gehört jedoch nicht zur natürlichen Darmflora. Begünstigen mehrere Faktoren eine Ausbreitung des Pilzes, dann kann er sich rasch vermehren und eine Vielzahl oft unsymptomatischer Beschwerden verursachen.

Vom Säugling bis zum alten Menschen kann jeder insbesondere dann erkranken, wenn seine körperliche Abwehr geschwächt ist. Warum greift der Candida-Pilz immer häufiger um sich? Pilze gewinnen leicht die Oberhand, wenn Antibiotika verordnet werden. Denn diese Substanzen vernichten auch nützliche Darmbakterien und begünstigen so die Vermehrung anderer Keime vor allem von Hefen. Durch häufigen Gebrauch von Cortisonen verändert sich Haut und Schleimhaut und der Pilz kann sich besser vermehren. Außerdem hemmen diese Mittel bestimmte Immunfunktionen, so dass die Abwehr gestört ist.

(... Die Folgen können sein:) Allergien, Heißhunger auf Süßes, psychische Probleme (Depression), Hautausschlag, bei Säuglingen auch als sog. Windeldermatitis, Jucken an Augen und Nase, starker Körpergeruch trotz einwandfreier Hygiene, immer wiederkehrende chronische Nagelbettentzündungen, Mundfäule, belegte Zunge, Mundgeruch, Gedächtnisstörungen, Verstopfung, Durchfall, Blähungen, Blähbauch, Magenschmerzen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, steifer Nacken, Nahrungsmittelunverträglichkeit, hartnäckiges Übergewicht trotz Ernährungskontrolle, Juckreiz am After, hartnäckig entzündete Hämorrhoiden, Müdigkeit, Schlappheit, Schlafstörungen. Speziell bei Frauen: Unterkleibskrämpfe, prämenstruelle Störungen, starker Scheidenausfluß, Scheideninfektionen, Juckreiz an den Schamlippen und häufige Blasenreizungen. 

Die Giftküche im Darm! Pathogene Hefepilze wie Candida albicans produzieren eine Reihe hochgiftiger Substanzen wie Fuselöle, Fuselalkohole, Gliotoxine, Aflatoxine Nitrosamine, Phenole, Indole, Schwefelwasserstoff (...) Durch die Giftproduktion der Pilze wird die Zusammensetzung der Bakterienflora, aber auch das Darmmilieu verändert. Dadurch wiederum wird die Produktion giftiger Stoffwechselprodukte gefördert. So führt eine Veränderung des Milieus zur Freisetzung von Ammoniak, ein Nerven- und Zellgift, das so in die Blutbahn zurückgelangt. Gelangt zusätzlich Ammoniak aus dem Darm ins Blut, so werden die Muskulatur und das Gehirn schwer mit Gift beladen. Muskelschmerzen, verringertes geistiges Leistungsvermögen, Kopfschmerzen, Depression und viele Symptome mehr sind die zwangsläufige Folge.

Eine Candidaerkrankung geht oft mit Allergien einher. Der Candida-Pilz schädigt die Darmschleimhaut, so dass diese durchlässiger wird für größere Partikel, die bei Gesunden zurückgehalten werden. Gehen diese durch die Schleimhaut, reagiert der Körper allergisch. Hauptallergene können sein: Weizen Milch und alle Milchprodukte, Nüsse, Eier, Zitrusfrüchte und oftmals bei dieser Erkrankung Hefen (Bier-, Back- und Würzhefe) und Schimmelpilze. (...)“

Wie bereits erwähnt: Diese Broschüre ist derzeit nicht mehr erhältlich und wir kennen die Gründe dafür auch nicht. Vielleicht deshalb, weil das Eine oder Andere noch keinen wissenschaftlichen Gütesiegel erhalten hat, was darin behauptet wurde und es nun einmal der Mentalität vieler Fachleute entspricht, dass es etwas nicht gibt, solange es nicht wissenschaftlich bewiesen ist. Im Gegensatz dazu erleben wir Eltern tagtäglich den Autismus unserer Kinder, den es auch nicht geben dürfte, weil seine Entstehung bis dato wissenschaftlich auch noch nicht erforscht ist.

Diagnose und Behandlung von Candida albicans

Was die Diagnose einer Candida-Überwucherung betrifft, so ist sehr viel Sorgfalt geboten, denn leicht kann man falsche Ergebnisse bekommen. Dies betrifft in erster Linie die negativen Befunde, also die Feststellung, der Patient habe keine Candida-Überwucherung. Uns sind etliche Fälle bekannt, wo der erste Befund negativ gewesen war und trotzdem war der Patient übermäßig "verpilzt".

Der aus unserer Sicht gute Diagnostiker verlangt mindestens drei Proben von jeweils verschiedenen Stühlen (siehe auch WE, 8. Ausgabe). Bei der Erhebung der Proben sollten diese zudem von verschiedenen Stellen des Stuhls entnommen werden. Das hat seinen Grund darin, dass sich im fortgeschrittenen Stadium Candida an der Darmwand förmlich ankleben kann, wie wir bereits erwähnt haben. Je fester Candida an der Darmwand sitzt, je weiter also diese schädliche Entwicklung fortgeschritten ist, desto mehr wird es förmlich zum Glücksspiel, ob sich bei der Durchwanderung des Stuhls durch den Darm Zellen ablösen und bei der Untersuchung für einen Befund sorgen. Der leider bereits verstorbene Prof. Dr. med. Rieth, ein deutscher Candida-Experte, brachte das Problem wie folgt auf den Punkt:

"Die Stuhlprobe spiegelt meist nur die Dickdarmflora wieder. Landläufig meint man, hier säßen die meisten Pilze. Das stimmt aber nicht. Sie sitzen in den rund vier Millionen Zottenzwischenräumen des Dünndarmes. Von dort aus gelangen sie über den Zottenkanal in das Venensystem und so in alle möglichen Organe!"

Man muss sich vor Augen halten, wie pervers die Situation in Sachen Candida ist: "Je kranker man ist, desto wahrscheinlicher der Befund, man sei gesund!" Suchen Sie sich deshalb einen Arzt, der sich auf Naturheilverfahren spezialisiert hat und vergessen Sie den Arzt, der aus Gefälligkeit oder damit er vor Ihnen Ruhe hat eine Stuhlprobe zur Untersuchung annimmt.

Der aus unserer Sicht gute Diagnostiker wird nicht nur im Stuhl, sondern auch in der Mundhöhle nach Candida suchen. Dies geschieht mit einem Abstrich und soll einen zweiten Befund liefern, falls das Stuhlergebnis negativ ist.

So sehr sich Candida auch verstecken mag, so kann die Hefe über ihre Stoffwechselprodukte aufgespürt werden. Diesen Weg geht das Labor von Dr. William Shaw, wo im Urin nach Stoffwechselprodukten (Weinsäure) von Candida gesucht wird.

Falls also die herkömmlichen, in Deutschland angebotenen Untersuchungen negativ sein sollten, empfehlen wir zur Sicherheit einen Test durch das Great Plains Laboratory von Dr. Shaw.

Auch was die Verlaufskontrolle der Therapie betrifft, so sind die Weinsäure-Werte im Urin natürlich wesentlich aussagekräftiger als die Stuhluntersuchungen. Wenn ich hier geringe Werte erhalten habe, die sich bei einer weiteren Kontrolluntersuchung nach gewisser Zeit bestätigen, dann kann Entwarnung gegeben werden.

In Anbetracht der Tatsachen, dass erstens eine Überwucherung mit Candida so fatale Folgen auf die Gesundheit unserer autistisch behinderten Kinder haben kann als auch zweitens, dass wir wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer falschen Diagnose bei Stuhluntersuchungen auf Candida ist, erscheint deshalb nur die Methode von Dr. Shaw (Suche nach Candida-Stoffwechselprodukten im Urin) als sicher zu sein. Unsere Empfehlung lautet deshalb: Lassen Sie zuerst Stuhluntersuchungen durchführen, weil diese billiger sind. Sollten diese jedoch negativ ausfallen, dann können Sie erst sicher sein, wenn auch die Suche nach Stoffwechselprodukten im Urin negativ ausgefallen ist.

Anti-Candida-Therapie

Was die Therapie betrifft, so dürfen wir aus verständlichen Gründen nur Hinweise geben, auf was wir Eltern achten sollten. Im Gegensatz zu den USA ist das Mittel Nystatin rezeptfrei und kann daher in der Apotheke frei gekauft werden. Nystatin ist das am meisten bekannte und wahrscheinlich bisher auch am meisten eingesetzte Mittel zur Bekämpfung von Candida. Wer also genügend Erfahrung besitzt, kann deshalb die Therapie auch ohne Arzt oder Heilpraktiker durchführen. Da es aber inzwischen auch bei uns in Deutschland immer mehr engagierte Ärzte oder Heilpraktiker gibt, die in Sachen Candida fachkundig sind, empfehlen wir allen Lesern, sich in die Obhut einer Fachperson zu begeben.

Wenn die Therapie anschlägt, kann es während der ca. einwöchigen "die-off-Phase" sogar zu Verschlechterungen der Symptome kommen. Das liegt daran, dass die Hefen beim Absterben nochmals sehr giftig werden.

Über die möglichen Alternativen haben wir bereits in den vergangenen Ausgaben ausführlich berichtet. In Kürze fassen wir dies nochmals wie folgt für die Eltern zusammen, die Bedenken gegen Nystatin haben:

Olivenöl-Extrakt enthält die Komponente Oleuropein, welcher man Wirkungen gegen pathogene Mikrobakterien und gegen Candida nachsagt. Pau D'Arco ist ein Kraut, welches auch gegen Pilze wirksame Komponenten enthält. Goldenseal Extrakt enthält hohe Konzentrationen von Alkaloiden, welche sehr effektiv gegen verschiedene Organismen wie Candida wirken. Biotin ist ein B-Vitamin, welches den Auswirkungen von Candida entgegen wirkt und vor allem in der Die-off-Phase zusätzlich eingenommen werden sollte. Gleiches gilt für Vitamin C als auch für das Mineral Selen. Preiselbeere Extrakt hat sich, wenn es hochkonzentriert eingenommen wird, in etlichen Studien und Versuchen dahingehend nützlich erwiesen, dass es das Wachstum des Candida hemmt. Knoblauch oder Oregano sollen auch phänomenale Wirkung gegen Pilze zeigen. In den USA gibt es sogar Ärzte, welche behaupten, dass sie die gleiche Wirksamkeit wie Nystatin haben. Apropos

Nystatin:

Das Antimykotikum gilt als sicher (deshalb auch nicht verschreibungspflichtig), weil es grundsätzlich nicht in den Blutkreislauf gelangt und vollkommen mit dem Kot wieder ausgeschieden wird. Nebenwirkungen sind kaum bekannt. Nystatin ist das Produkt des Bakteriums Streptomyces noursei welches in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts in New York entwickelt wurde, was ihm den Namen gegeben hat (N.Y. stat in).

Wenn Ihr Kind jedoch bereits eine gluten- oder kaseinfreie Diät einhält, dann sollten sie bei der Auswahl des Nystatin-Präparats jedoch darauf achten, welche Stoffe der Tablette bzw. der Kapsel beigefügt sind. Nystatin kann man jedoch auch als reinen Stoff aus der Apotheke bekommen und selbst in Kapseln füllen. Der reine Stoff ist ein bitter schmeckendes Pulver, welches allein nur von abgehärteten Zeitgenossen eingenommen werden kann. Wir werden im Laufe dieses Artikels noch auf Fructo-Oligosaccharide zu sprechen kommen. Mit diesen süß schmeckenden Stoff kann Nystatin gemischt eingenommen werden, falls das Kind keine Tabletten schluckt und eine Einnahme als Pulver notwendig wird.

Gegen Bakterien ist Nystatin wirkungslos. Deshalb können, ja sollen sogar während einer Nystatin-Einnahme Probiotika ("gute Bakterien") eingenommen werden, auf die wir während dieses Artikels ebenfalls noch zu sprechen kommen werden. Dies ist Vorteil und Nachteil zugleich. Zum einen kann bzw. soll sogar zugleich die Darmsanierung in Angriff genommen werden, zum anderen gibt es neben den Hefen noch ebenso potentiell schädliche Bakterien im Darm, welche Nystatin nicht angreift.

Auch der Vorteil, dass Nystatin nicht in den Blutkreislauf aufgenommen wird und damit als sicheres Präparat gilt, ist ebenfalls ein Nachteil: Nystatin wirkt nur im Darm, wenn es oral eingenommen wird. Wenn der Befall von Candida so weit fortgeschritten ist, dass Candida über die Blutbahn bereits andere Organe befallen hat, dann wirkt Nystatin dort nicht, weil es das Organ nicht erreicht.

Wir haben ausgeführt, dass der gute Behandler einen Abstrich der Mundhöhle vornimmt. Wenn nämlich auch dort Candida festgestellt wurde, dann muss auch dort Candida behandelt werden (Lösungen zum Gurgeln). Sonst tritt nämlich der Effekt auf, dass nach abgeschlossener Behandlung im Darm die im Rachen ansässigen Candida-Stämme wieder in Richtung Darm wandern und ein paar Wochen später stellt man fest: Candida ist wieder da, die Therapie hat nichts genützt.

Aus diesem Grund ist es auch sehr bedeutend, wie lange man die Therapie durchführt. Liest man die Empfehlungen hierzulande, dann dauert eine Behandlung mit Nystatin ein paar Wochen. Wenn dadurch Candida verschwindet und nicht wiederkommt (Deshalb sind wiederholte Kontrolluntersuchungen so ungeheuter wichtig!), dann wollen wir auch nicht daran rühren.

Dr. Shaw empfiehlt bei Kindern mit Autismus eine Therapiedauer von mindestens einem Jahr. Dies sollten wir Eltern beachten, wenn es uns darum geht, unseren Kindern effektiv helfen zu wollen.

Viele Ärzte und Heilpraktiker verordnen bei der Behandlung von Candida neben der Einnahme eines Antimykotikums noch die Einhaltung einer speziellen Diät, die vor allem keinen Zucker enthalten sollte. Der Grundgedanke ist der, dass man in Tierversuchen nachgewiesen hat, dass sich Candida bei Mäusen um ein Vielfaches stärker entwickelt hatte, als diese Zuckerwasser zum Trinken bekommen hatten. Zusätzlich will man also die Hefen aushungern.

Viele Eltern von autistisch behinderten Kindern klagen, dass eine solche, oftmals sehr strenge Diät bei ihrem Kind kaum einzuhalten ist, vor allem dann, wenn sie bereits Gluten und Kasein aus der Nahrung weggelassen haben. Zum Trost sei hier erwähnt, dass selbst aus Kreisen von Candida-Experten immer mehr Zweifel an der Notwendigkeit einer strengen Anti-Pilz-Diät geäußert werden. Also: Wenn Sie alles tun möchten und wenn eine solche, zeitlich begrenzte Diät auch in der Praxis durchführbar erscheint, dann ist dies mit Sicherheit nicht schädlich. Für die meisten von uns Eltern wird jedoch gelten, dass wir versuchen sollten, alles Verzichtbare, was süß schmeckt, aus der Nahrung des Kindes zu entfernen, womit wir unsere Ausführungen zum Thema Diät beenden.

Die Gabe von "guten Bakterien" während einer Candida-Therapie ist ein weiterer Beitrag zu einer umfassenden Darmsanierung. Wir werden später noch ausführlich darauf zu sprechen kommen.

Saccharomyces boulardi

Eine neue Alternative zu Nystatin:

Nachdem wir ausführlich über Nystatin berichtet haben, dürfen wir Ihnen auch eine neue, erst seit Kurzem auf dem Markt erhältlich Alternative vorstellen, die bei der Behandlung autistisch Behinderter vielleicht noch mehr kann als Nystatin. Die US-Firma Kirkman Labs., über welche wir in den vergangenen Ausgaben bereits mehrfach berichtet hatten, weil sie insbesondere spezielle Produkte für autistisch Behinderte anbietet und mit vielen Autismus-Experten eng zusammen arbeitet, bietet das Produkt "Saccharomyces boulardii" an. Was es damit auf sich hat, soll Ihnen die Firma selbst sagen, weshalb wir nachfolgend aus ihrer Webpage wie folgt zitieren:

Auszüge aus der Webpage der Fa. Kirkman Labs., http://kirkmanlabs.com.

Übersetzung aus dem Englischen    

"Saccharomyces boulardii ist eine nicht-pathogene Hefe, die dafür bekannt ist, dass sie klinische Wirkungen in der Behandlung gastrointestinaler Infektionen von Clostridia difficle und Hefen (Candida albicans) haben soll, egal ob sie allein oder in Kombination mit Antibiotika und/oder Probiotika eingenommen wird. Saccharomyces boulardii wird als biotherapeutisches Mittel bezeichnet, weil es positive Eigenschaften in der Behandlung von wiederkehrenden Infektionen des Verdauungstrakts hat.

Jüngste Studien haben gezeigt, dass der Gebrauch von Saccharomyces boulardii ein wirksames Mittel bei der Behandlung autistisch behinderter Kinder ist, weil sich seine Wirksamkeit in der Behandlung von wiederkehrenden Entzündungen durch Clostridium difficile gezeigt hat.

Durch Dr. Sidney Baker wurde die Autismus-Fachwelt auf Saccharomyces boulardii  aufmerksam, als dieser begann, seine autistisch behinderten Patienten damit zu behandeln und sehr gute Ergebnisse damit erzielte.

Laut Dr. Baker liegt der Vorteil einer Therapie mit Saccharomyces boulardii darin, dass damit sowohl Hefe- als auch bakterielle Probleme behandelt werden können.

Er zitiert dabei Beobachtungen, die Dr. med. Leo Galland gemacht hat, welcher beschrieb, dass "Hefen" in der Behandlung von Hefe-Problemen sehr hilfreich sein können. Er zitiert weiterhin die Arbeit von französischen Ärzten, die routinemäßig Saccharomyces boulardii  bei der Behandlung von Durchfall in Zusammenhang mit einer Antibiotika-Behandlung benutzen und schloss daraus, dass Saccharomyces boulardii auch in der Behandlung von Infektionen im Verdauungstrakt autistisch Behinderter benutzt werden könnte. Die besondere Aufmerksamkeit konnte Saccharomyces boulardii in der Autismus-Fachwelt jedoch dadurch erringen, als gezeigt werden konnte, dass man damit sowohl Infektionen mit Clostridium difficile behandeln als auch Rückfälle vorbeugen kann.

Bei Saccharomyces boulardii  handelt es sich um eine nicht-pathogene, nicht-kolonisierende Backhefe-Spezies, welche sehr eng verwandt ist mit der Brauhefe Saccharomyces cervesiae. Obwohl es sich bei Saccharomyces boulardii also um eine Hefe handelt, ist sie nicht verwandt mit den Candida - Spezies (Candida albicans, Candida tropicalas, etc.), welche pathogene Infektionen im Verdauungstrakt als auch im Genitalbereich hervorrufen können.

Saccharomyces boulardii hat die Eigenschaft, im sauren Milieu des Magens zu überleben, ist widerstandsfähig gegen Antibiotika und hat keine schädlichen Wirkungen auf die Darmflora. Aus diesem Grund können Probiotika wie Laktobazillen oder Bifidobakterien gleichzeitig mit Saccharomyces boulardii eingenommen werden. Da Saccharomyces boulardii keine Kolonien bildet, gehört sie zu den Organismen, die den Darm durchwandern und wieder ausgeschieden werden. Auf seiner Wanderung greift sie jedoch pathogene Hefen und Bakterien an und kann diese entfernen, während sie den nützlichen Mikroben keinen Schaden anrichtet.

Saccharomyces boulardii wird deshalb zu den Probiotika hinzugerechnet, also zu den freundlichen Bakterien, welche das Leben fördern und die Balance im Darmtrakt aufrecht erhalten. Obwohl Saccharomyces boulardii zu den Hefen zählt, hat sie probiotische Eigenschaften.

Saccharomyces boulardii , welche als Präparat oral eingenommen werden kann, ist dafür bekannt, dass sie Essig- und Milchsäuren produzieren, welche den pH-Wert im Darm senken (Milieu wird saurer), womit pathogene Bakterien und Hefen am Wachstum gehindert bzw. ausgerottet werden. Dies schafft ein angenehmes Milieu für die darmansässigen Bakterien und verschlechtert die Bedingungen für die weniger erwünschten Bakterien.

Genauso wie die Milchsäurebakterien (Lactobazillen und Bifidobakterien) kann Saccharomyces boulardii einen Anstieg der Spiegel von sIgA (Antikörper im Darm-Immunsystem, die Red.) steigern, was einen zusätzlichen positiven Effekt auf die Gesundheit im Darm hat.

Die Forscher sind sich nicht ganz sicher, wie genau Saccharomyces boulardii wirkt, weshalb noch Bedarf an Forschung besteht. Einige Forscher denken, dass Saccharomyces boulardii eine Protease (ein Enzym) produziert, welche die Enterotoxin A- und Enterotoxin B-Moleküle als auch deren Rezeptoren auf der Bürstenoberfläche der Darminnenwand verdauen kann. Man geht davon aus, dass Durchfall in Zusammenhang mit Clostridia difficile darauf beruht, dass Toxine (Giften) durch diese Mikroben produziert werden.

Der Gebrauch von Saccharomyces boulardii-Präparaten sollte unter der Aufsicht eines Arztes oder Heilpraktikers geschehen. Einige Ärzte benutzen Saccharomyces boulardii  dann, wenn sie Antibiotika verordnen müssen. Andere wiederum geben Saccharomyces boulardii zusammen oder als Ersatz für Probiotika, um Infektionen im Verdauungstrakt zu behandeln.

Saccharomyces boulardii-Präparate werden allgemein gut vertragen, doch wenn eine der nachfolgend genannten Symptome auftritt, sollte man die Einnahme stoppen und den Arzt kontaktieren: Juckender oder flüchtiger Hautausschlag, geschwollene Haut, Atemprobleme oder Beschwerden im Rachen oder Brustkorb. Diese Symptome können Anzeichen für eine allergische Reaktion sein, weshalb die Behandlung nicht weiter fortgesetzt werden sollte. Blähungen und Verstopfung können ebenfalls als Nebenwirkungen auftreten."

Soweit die Ausführungen von Kirman zu Saccharomyces boulardii als auch unsere Ausführungen zu Candida albicans, wobei wir mit dem Beitrag über Saccharomyces boulardii bereits nahtlos zum nächsten Thema übergeleitet haben:

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