Auszüge aus der 13. Ausgabe

Nachfolgender Beitrag als Hintergrundswissen:

Was passiert während der Verdauung?

Eine kleine Reise durch den Verdauungstrakt

Vorwort:

Auf vielfach geäußerten Wunsch unserer Leser geben wir mit dem nachfolgenden Beitrag etwas Hintergrundswissen über die Vorgänge, die während der Verdauung bis hin zur Ausscheidung in Inneren des Menschen passieren. Der Verdauungstrakt ist ein komplex und umständlich gestalteter Organismus. Die in diesem Artikel gemachten Ausführungen sind deshalb sehr vereinfacht. Wir sehen darin jedoch keinen Makel, weil Sinn und Zweck dieser Abhandlung allein darin besteht, unserer vorwiegend aus Laien bestehenden Leserschaft in leicht lesbarer und verständlicher Form Verständnisse über die dort statt findenden Vorgänge und mögliche Zusammenhänge zum Autismus vermitteln will.

Begriffsdefinitionen

Bis ein Nährstoff dem Körper segensreich dienen kann, durchläuft er vier verschiedene Stufen: Die Nahrung wird zunächst verdaut, das heißt, sie wird chemisch und mechanisch in Formen zerteilt, die vom Körper aufgenommen und benutzt werden können. Diese Vorgänge finden vor allem im Magen und im Dünndarm statt und zu einem kleinen Teil auch im Mund.

Wenn die Nährstoffe die Darmwand durchqueren und den Blutstrom betreten, spricht man von Absorption, was soviel wie Aufnahme bedeutet. Dies geschieht hauptsächlich im Dünndarm, aber zu einem wesentlich kleineren Anteil auch im Dickdarm und im Magen.

In einer Reihe von weiteren Schritten werden die Verdauungsprodukte für die Energie gewonnen, indem sie chemisch in lebende Gewebe ungewandelt werden. Dies geschieht in den Zellen und man bezeichnet diesen Prozess als Assimilation, was soviel wie Angleichung bedeutet.

Schließlich müssen die Abfallprodukte aus der Nahrung, die der Körper nicht benötigt oder die ihm schaden, wieder ausgeschieden werden. Dies geschieht durch den Darm, die Nieren, die Haut und das lymphpatische System (Elimination). Doch gehen wir nun zusammen auf unsere Reise durch unser Inneres:

1. Der Mund

Der Verdauungsvorgang beginnt im Mund, wo durch das Kauen die Oberfläche der Nahrung vergrößert wird, damit später mehr Nährstoffe absorbiert bzw. aufgenommen werden können. Kauen bedeutet jedoch auch ein Signal für andere Komponenten des Verdauungssystems, dass der Verdauungsvorgang begonnen hat. Zum einen stimuliert es die Produktion von Speichel durch die Speicheldrüse, die sich unter der Zunge befindet. Speichel wird mit der Nahrung vermischt, wodurch diese flüssiger und weicher wird, damit sie geschluckt werden kann. Bereits der Speichel enthält Enzyme, welche mit der Verdauung von Kohlenhydraten beginnen und dabei helfen, einige Stärken in einfache Zucker zu brechen. Ist die Nahrung gekaut und geschluckt, kommt die durch die Speiseröhre in den Magen.

Wenn eine Person ihre Nahrung nicht durch und durch kaut, also wenn sie zu schnell ist und größere Brocken verschluckt, dann ist die Oberfläche der Nahrung wesentlich kleiner und stellt für den Magen eine schwierigere Aufgabe dar. Diese Person gibt sich in Gefahr, einmal an Verdauungsstörungen wie Sodbrennen, Säurerückfluss, Blähungen und Schluckauf zu

leiden.

2. Der Magen

Im Magen wird die Nahrung mit Verdauungssäften wie Magensäure und dem Enzym Pepsin vermischt und es entsteht ein dickflüssiger Speisebrei. Dies geschieht in einer sehr sauren Umgebung mit einem PH-Wert von 1,5 bis 2, wobei die Verdauung von Proteinen bereits beginnt. Eine dicke Schleimschicht auf der Innenseite des Magens verhindert, dass die Magenwand durch die Säuren angegriffen wird. Wenn diese Schleimschicht, aus welchen Gründen auch immer, dünner wird, dann kann sich die Salzsäure in die Magenhaut einbrennen, was zu einem Magengeschwür führen kann.

Magensäure hat eine Vielzahl von wichtigen Funktionen. Sie setzt den Prozess der Proteinverdauung in Gang, indem sie die Proteinketten der Nahrung aufbricht. Sie wirkt wie ein Desinfektionsmittel, indem sie Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten, welche wir mit der Nahrung aufnehmen, abtötet. Sie wirkt mit, die Nahrung aufzubrechen, wodurch die darin enthaltenen Vitamine und Mineralien besser absorbiert werden können. Schließlich signalisiert die Salzsäure der Bauchspeicheldrüse, Enzyme, Bicarbonate und Hormone abzusondern, die wichtig für die nächste Stufe des Verdauungsprozesses sind, welcher im Dünndarm statt findet. Als Signalstoff wird dabei - wie bereits in dieser Ausgabe geschildert - Sekretin im Dünndarm produziert und über die Blutbahn an die Bauchspeicheldrüse weiter geleitet.

Niedrige Salzsäurespiegel können Anzeichen und Symptome hervorrufen wie Blähungen, Blutungen, Rülpsen nach den Mahlzeiten, vertikale Rillen auf den Fingernägeln sowie dem Gefühl, als würde das Essen für eine lange Zeit noch im Magen liegen.

Normal verbleibt die Nahrung für einen Zeitraum von ein bis vier Stunden im Magen, abhängig von dem Nahrungstyp, der Menge der im Magen vorhandenen Magensäfte aber auch der Höhe des Stressspiegels, welche die Person in dieser Zeit ausgesetzt ist. Während der Verdauungsprozess grundsätzlich im Dünn- und Dickdarm stattfindet, so werden gewisse Stoffe wie Wasser, Alkohol und Aspirin direkt vom Magen aus in den Blutstrom geleitet. Wenn der Magen die Nahrung in Brei verwandelt hat, passiert dieser durch den Magenausgang in den ersten Teil des Dünndarms, welcher besser bekannt als Zwölffingerdarm, wo die Sekrete der Bauchspeicheldrüse eine wichtige Rolle spielen.

3. Die Bauchspeicheldrüse

Die Hauptaufgabe der Bauchspeicheldrüse, welche sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Zwölffingerdarms befindet, ist die Produktion von Enzymen und anderen Stoffen, welche für die weitere Verdauung und Absorption von Bedeutung sind. Die drei wichtigsten Stoffe dabei sind Insulin, Bikarbonat und Verdauungsenzyme.

Insulin ist ein Hormon, welches für die Verstoffwechselung von Zucker und die Regelung des Blutzuckerspiegels wichtig ist. Wenn die Blutzuckerspiegel hoch sind, wie zum Beispiel nach einer Mahlzeit, wird Insulin von der Bauchspeicheldrüse abgesondert, um den Zellen zu signalisieren, Zucker aufzunehmen, damit der Blutzuckerspiegel wieder normal wird. Wenn diese Vorgänge gestört sind, kommt es zu Diabetes.

Bikarbonat wird - wie bereits an einer anderen Stelle in dieser Ausgabe erwähnt - von der Bauchspeicheldrüse ausgeschieden, wenn der Nahrungsbrei vom Magen in den Zwölffingerdarm wandert. Bikarbonat ist eine alkalische Substanz, welche den sauren Nahrungsbrei entsäuern soll, um die Schleimhaut des Darms vor der aggressiven Säure zu schützen, aber auch um den Enzymen der Bauchspeicheldrüse eine passende Umgebung zu schaffen, wo sie funktionieren können.. Die Produktion bzw. Ausscheidung von Bikarbonaten wird ausgelöst durch das Hormon Sekretin.

Die Enzyme der Bauchspeicheldrüse sind wichtig für die Fortsetzung des Verdauungsprozesses, welcher bereits im Magen begonnen hat. Viele Kinder mit Autismus stehen im Verdacht, dass sie Defizite in Bezug auf diese Enzyme haben und sie reagieren oft extrem gut auf die Zugabe von Verdauungsenzymen. Die drei wichtigsten Gruppen der von der Bauchspeicheldrüse abgesonderten Enzyme sind Lipasen, Amylasen und Proteasen. Die Funktion dieser verschiedenen Enzyme wird wie folgt beschrieben:

Lipasen arbeiten zusammen mit der Galle unterstützend bei der Verdauung von Fetten. Ein Mangel an Lipasen, welcher bei vielen Menschen mit Autismus vorzuherrschen scheint, führt zu einer schlechten Absorption von Fetten als auch den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K. Eltern sollten hellhörig werden, wenn bei Tests Mängel bei diesen Nährstoffen festgestellt wurden oder wenn das Kind zu einem Stuhlgang neigt, wo der Kot gelb, orange oder von blasser Farbe ist.

Amylasen sind wichtig für den Kohlenhydratstoffwechsel. Ihre wichtigste Funktion ist, Stärken in kleinere Zuckerketten aufzubrechen. Wie bereits erwähnt, finden wir einen kleinen Anteil von Amylasen bereits im Speisebrei vor, aber der größte Anteil wird von der Bauchspeicheldrüse abgesondert.

Proteasen unterstützen die Verdauung, indem sie die Nahrungsmittel-Proteine in einzelne Aminosäuren aufbrechen. Auch diese Gruppe scheint bei autistisch Behinderten mangelhaft vorhanden zu sein. Ein Mangel an Protease-Aktivität kann zu Problemen mit Nahrungsmittelallergien, opioiden Reaktionen von Gluten- und Kaseinproteinen als auch schlechter Proteinverwertung führen. Zusammen mit ihrer Rolle als Verdauungsenzyme üben sie eine Reihe weiterer wichtiger Funktionen aus. Sie wirken antimikrobisch und helfen dabei mit, dass sich im Dünndarm schädliche Bakterien, Pilze und Parasiten ansiedeln können. Wer unter Protease-Mangel leidet, hat ein größeres Risiko, Infektionen im Darm einschließlich der Überwucherung von Candida zu bekommen.

4. Der Dünndarm

Der Dünndarm ist unterteilt in drei Abschnitte: Zwölffingerdarm, Leerdarm und Krummdarm. Seine Hauptaufgabe ist, Nährstoffe aus der Nahrung zu absorbieren. Wenn die Verdauung von Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen mit der Hilfe der Enzyme der Bauchspeicheldrüse begonnen hat, wandert die Nahrung durch den Dünndarm und die Absorption der Nährstoffe geschieht in den verschiedenen Abschnitten. So ist zum Beispiel der Zwölffingerdarm in erster Linie verantwortlich für die Absorption von Mineralien, der Leerdarm für die Absorption von Proteinen, Kohlenhydraten und wasserlöslichen Vitaminen und die Aufnahme von Cholesterin, Fette und fettlöslichen Vitaminen geschieht im Krummdarm.

Die innere Membran des Dünndarms hat eine besondere Struktur, um eine optimale Oberfläche für die Absorption zu erhalten. Sie ist gestaltet mit einer Serie von mikroskopischen Falten, die Villi und Microvilli (Zotten) genannt werden, kleine fingerartige Ausformungen entlang der Längsseite der inneren Darmschleimhaut. Wenn die Darmschleimhaut durch dauernde Reizung durch infektiösen Mikroben, Nahrungsmittel-allergenen oder Gluten- und Kaseinpeptiden zerstört worden ist, dann flachen sich die Darmzotten ab, reduzieren dabei die Oberfläche, die zur Aufnahme der Nährstoffe notwendig ist. Aus diesem Grund leiden Menschen mit chronischen Darmbeschwerden unter Syndromen einer schlechten Absorption.

Neben der Absorption von Nährstoffen hat der Dünndarm eine weitere wichtige Funktion als lebende Barriere, die unerwünschte Substanzen wie Gifte und potentiell schädliche Proteine davon abhält, in den Blutstrom zu gelangen.

Unter normalen Umständen bleibt diese Barriere auch intakt. Wird er jedoch dauernd gereizt, dann wird die Schleimhaut durchlässig und ermöglicht so größeren Mengen von schädlichen Substanzen, dass sie vom Darmtrakt in den Blutkreislauf gelangen können. Dies führt zu dem Syndrom des durchlässigen Darms (leaky gut syndrome), welches bei Kindern mit Autismus häufig beobachtet werden kann.

5. Die Leber und die Gallenblase

Die Leber ist das wichtigste Organ zur Entgiftung des Körpers. Sie reinigt das Blut und filtert die Gifte aus, die vom Darmtrakt absorbiert worden sind. Sie ist auch verantwortlich für die Neutralisierung von externen Giften wie zum Beispiel Schwermetallen (siehe WE, 11. Ausgabe). Die meisten dieser Gifte werden später mit dem Urin oder dem Kot ausgeschieden.

Es kann vorkommen, dass die Leber sich mit mehr Giften befassen muss als sie auf einmal verarbeiten kann. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn ein Kind wegen Candida behandelt wird. Wenn die Pilze durch entsprechende Mittel abgetötet werden, dann geben sie Gifte ab, die in den Blutstrom gelangen und Beschwerden wie Kopfweh, Müdigkeit und schlechtes Verhalten auslösen können. Dieses Phänomen ist bekannt als die Herxheimer oder die Absterbereaktion ("die-off" reaction), welches viele Eltern kennen gelernt haben, bei deren Kindern die Behandlung durchgeführt worden ist. Eine Möglichkeit, diese Reaktionen zu verhindern oder abzuschwächen, wäre sicherzustellen, dass die Funktion der Leber optimal ist. Aus diesem Grund geben Ärzte ihren Patienten, wenn sie Schwermetalle ausleiten, leberfördernde Nährstoffe oder Präparate wie Glutathion oder Milchdistel (herb milk thistle) während dieser Therapie.

Neben der Entgiftung hat die Leber noch andere lebenswichtige Funktionen. Sie unterstützt den Stoffwechsel einer Anzahl von Hormonen, darunter die Schilddrüsen-Hormone Estrogene, Progesterone und Testorone. Sie bricht Cholesterol auf und hilft bei der Regulierung des Blutzuckers und sie ist verantwortlich für die Produktion von Galle.

Galle hat eine Vielzahl von wichtigen Funktionen im Verdauungsprozess. Nachdem sie von der Leber hergestellt worden ist, wird die weiter benutzt im Zwölffingerdarm und aufbewahrt in der Gallenblase für eine spätere Benutzung. Sie ist notwendig für die Emulgierung von Fetten, Ölen, fettlöslichen Vitaminen und von Cholesterol. Mit Hilfe der Lipasen der Bauchspeicheldrüse stellt sie sicher, dass die Fette sauber verarbeitet und vollständig absorbiert und vom Körper verwendet werden. Sie wirkt auch zusammen mit Proteasen, um den Darm frei von schädlichen Mikroben zu halten.

6. Das Immunsystem des Darms

Gerade weil der Darm eine wichtige Barriere zwischen der Außenwelt und dem Körperinneren ist, gibt es eine Reihe im Darm angesiedelten Immunmechanismen, die sicherstellen, dass Stoffe von außen neutralisiert werden, bevor sie dem Körper schaden anrichten können.

Etwa 70 % des menschlichen Immunsystems ist in den Schleimhäuten des Darmtrakts beheimatet. Es wird hierzulande als Mukosa-lmmunsystem bezeichnet, im englischsprachigen Raum als GALT (Gut-Associated Lymphatic Tissue). Der Kampf gegen unbekannte oder möglicherweise schädliche Substanzen sollte also bereits im Darm und nicht erst, wenn diese den Blutstrom erreicht haben, beginnen.

7. Der Dickdarm

Die letzte Station auf unserer Reise durch das Verdauungssystem führt uns in den Dickdarm. Wenn der Prozess der Absorption im Dünndarm abgeschlossen worden ist, wandert die Nahrung in den Dickdarm bis hin zum Anus, wo ihre Reste als Kot ausgeschieden werden.

Der Dickdarm hat eine Reihe von Funktionen, wobei die wichtigsten die Formung des Stuhls und die Absorption von Wasser, Elektrolyten und den restlichen Nährstoffen ist. Bleibt der Stuhl zu lange im Dickdarm, dann wird zuviel Wasser absorbiert und er wird hart und trocken und es kommt zu Verstopfung. Im Gegensatz dazu, wenn der Stuhl den Dickdarm zu schnell passiert, kann dies zu Durchfall führen.