Auszüge aus der 13. Ausgabe
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Die US-Firma Kirkman Labs hat seit Herbst ein neues Produkt auf dem Markt:

DPP-IV FORTE™ Capsules

Müssen autistisch behinderte Kinder eine gluten- und kaseinfrei Diät einhalten, weil sie sich ansonsten mit der Nahrung immer mehr vergiften und ihre Probleme daraus resultieren? Seit unserer Berichterstattung in der 8. Ausgabe wird dieses Thema heiß diskutiert. Auf einen Seite stehen Erfolgsmeldungen, wie (relativ junge) Kinder aus den USA ihren Autismus mit der Einhaltung einer solchen Diät überwinden konnten. Auf der anderen Seite steht neben der Skepsis vieler Fachleute die Sorge der Eltern, wie bzw. ob man eine solche Diät überhaupt beginnen und erfolgreich durchhalten kann. Gerade wenn das Kind auch Mahlzeiten außerhalb des Elternhauses zu sich nimmt, dann ist die Latte der damit verbundenen Schwierigkeiten besonders hoch gelegt.

Hoffnung kommt nun aus den USA, wo die Firma Kirkman Labs, über die wir bereits in den vergangenen Ausgaben mehrfach berichtet haben, ein neues Präparat auf den Markt gebracht hat: DPP-IV Forte Kapseln. Obwohl wir uns dessen bewusst sind, dass dieses Produkt für uns Eltern aus Deutschland nicht so einfach zu haben ist, stellen wir es in der heutigen Ausgabe aus folgenden Gründen vor:

Erstens darf nicht verschwiegen werden, welche Möglichkeiten es für unsere Kinder gibt, zunächst ungeachtet der Frage, ob bzw. wie diese Möglichkeiten zur Zeit zugänglich sind.

Zweitens wissen wir, dass unsere Zeitschrift auch von einigen Fachleuten regelmäßig gelesen wird, welche wir auf diese neuen Möglichkeiten hinweisen wollen. Wie es Dr. Hardy auf der Eppelheim-Tagung erwähnte, müssen wir Eltern es sein, deren Beharrlichkeit Dinge in Bewegung setzt, die vielleicht momentan nicht denkbar erscheinen, aber vielleicht morgen schon Selbstverständlichkeit sind.

Drittens gibt es doch eine legale Möglichkeit, Kirkman-Produkte zu beziehen, nämlich über die (Internationalen) Apotheke mit einem Rezept vom Arzt. Allerdings mussten wir die Erfahrung machen, dass man auf diesem Wege ein Vielfaches bezahlen muss, als wenn man das Produkt direkt vom Hersteller beziehen könnte. Auch hier sollten wir Eltern langsam, aber sicher einen gewissen Druck aufbauen, dass dieser Missstand irgendwann einmal ein Ende hat.

Gefragt wäre in all diesen Fällen HILFE FÜR DAS AUTISTISCHE KIND, die Regionalverbände und allen voran der Bundesverband. Je mehr Eltern damit gute Erfahrungen gemacht haben, je mehr Therapeuten und andere Fachleute dies beobachten konnten, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Eltern, die heute bedauerlicherweise noch Pioniere und Einzelkämpfer sind, in naher Zukunft sich in einer starken Gemeinschaft von Gleichdenkenden sich befinden werden.

WIR ELTERN leistet seinen Beitrag darin, dass wir unserer Informationspflicht gegenüber unseren Lesern dahingehend nachkommen:

DPP IV steht für Dipeptidyl peptidase IV und ist, wie man aus der Endung "ase" entnehmen kann, ein Enzym, und zwar ein ganz Wichtiges (siehe auch Bericht vom Vortrag von Dr. Shaw). DPP-IV FORTE™ enthält ein Dipeptidyl peptidase IV Analog, also einen Stoff, welcher vergleichbar oder ähnlich dem menschlichen DPP IV ist. Es ist sozusagen eine Kopie oder Nachbildung des originalen Elements, welches den selben biochemischen Aufbau hat, aber aus einer anderen Quelle stammt. DPP-IV Forte ist das auf pflanz-licher Basis hergestellte Äquivalent zu dem mensch-lichen Enzym DPP-IV. Es zeigt die gleiche Enzym-Aktivität als das menschliche mit all den sehr beeindruckenden Eigenschaften.


DPP-IV FORTE™

hat bedeutende Wirkungen, wenn es allein oder in Kombination mit anderen Nahrungsenzymen genommen wird, um optimal Verdauungsprozesse zu unterstützen. Dieses einzig-artige Enzym bricht speziell Proline-enthaltende Peptide wie Casa- Gluteo- und Gliadomorhine auf, welche von anderen Enzymen gewöhnlich nicht aufgebrochen werden können. Dabei ist von Bedeutung, dass diese opiatähnlichen Ernährungspeptide (Exorphine) bei Autismus stark erhöht sind. DPP-IV ist das Verdauungsenzym, welches eine spezielle Aktivität zur Verdauung dieser Peptide hat, welche bekanntermaßen von Milch- und Getreideprodukten stammen. Manche Forscher vermuten sogar, dass die hohen Spiegel dieser opiaten Peptide beim Autismus daher kommen, dass dieses entscheidende DPP-IV-Enzym nicht oder nur unzureichend vorhanden ist oder nicht funktioniert.

DPP-IV hat jedoch noch weitere verschiedene Funktionen im Körper. Abhängig davon, wo es gefunden wird, ist es unter verschiedenen Namen bekannt. Wenn DPP-IV auf der Oberfläche von T-Zellen (Lymphozyten) gefunden wird, dann wird es CD26 genannt und es bewegt sich im Kreislauf und hilft bei immunen Funktionen. Es wird jedoch auch eingeschlossen in den Schleimhäuten des Verdauungstrakts gefunden, wo es dann als DPP-IV bekannt ist. Es ist auch in der Bauchspeicheldrüse, der Galle, im Dickdarm und in den Nieren vorhanden. Das in der Galle befindliche Enzym GP110 ist ein anderer Name für DPP-IV.

Dr. Gene Stubbs veröffentlichte 1982 seine Forschungen, dass ein den Purin-Stoffwechsel regulierendes Enzym namens Adenosine deaminase nur sehr schwach bei autistisch behinderten Menschen zu finden sei. Ein Jahrzehnt später entdeckten Forscher, dass DPP-IV das Binde-Protein oder der Anker sei, welches Adenosine deaminsas unterstützt. Es ist deshalb vermutet worden, dass wenn der DPP-IV-Spiegel reduziert oder gar nicht vorhanden ist, dass dies die niedrigen Spiegel von Aminosäuren erklären würde, welche im Profil von autistisch behinderten Kindern gefunden wurden.

Dipeptidyl peptidase IV (DPP-IV) hat in Autismus-Fachkreisen große Aufmerksamkeit errungen, bezugnehmend auf die Arbeit von Dr. Kalle Reichelt und Paul Shattock, die exorphine Peptide im Urin von autistisch behinderten Kindern gefunden und gemessen haben. Darüber haben wir in den vergangenen Ausgaben ausführlich berichtet.

Die Entdeckung der Rolle von DPP-IV's bei Autismus ist jedoch Dr. Jon Pangborn und Dr. Allan Friedman zu verdanken, beide Wissenschaftler und Väter autistisch behinderter Kinder. Dr. Pangborn war es auch, der in Zusammenarbeit mit Dr. Bernard Rimland (Gründer des Autismus Forschungsinstituts) das DAN!-Forschungsprojekt zur Untersuchung der Verdauungsenzyme mit hoher Petidase- und DPP-IV-Aktivität leitete. Dr. Pangborn schrieb und redete anschließend über die Wichtigkeit von DPP-IV bei Autismus in medizinischen und autismusspezifischen Kreisen. Dr. Friedman hingegen isolierte und identifizierte opioide Peptide im Urin bzw. im Serum von autistisch behinderten Kindern und erkannte, dass DPP-IV bei Einigen nicht vorhanden oder nicht in Ordnung sei.

Aufgrund der Arbeit der beiden Forscher waren es auch Anderen möglich geworden, Beiträge auf diesem Gebiet zu leisten.

Dr. William Shaw studierte die Rolle von DPP-IV in Bezug auf Autismus in seinem Labor und konnte Beweismaterial für zahlreiche damit in Zusammenhang stehende Vorgänge präsentieren, die erklären, warum bei autistisch behinderten Kindern diese niedrige Spiegel an DPP-IV vorhanden sind (siehe Beitrag in dieser Ausgabe).


Dr. Mark Brudnak, ein Molekularbiologe mit einem jahrzehntelangem Fachwissen auf dem Gebiet von Enzymen, veröffentliche einen Aufsatz über die Rolle der genomeceuticalen Galactose, die den Anstieg als auch die Menge von DPP-IV in den Schleimhäuten des Darmtrakts ansteigen lässt und ihre Beziehung zum Autismus. Er hat spezielle Enzyme entwickelt (auch das DPP-IV), welche klinischer Prüfung unterzogen wurden und er veröffentlichte schließlich in der medizinischen Literatur einen Aufsatz über die Rolle von Enzymen und Probiotics beim Autismus. Im Zusammenarbeit mit Dr. Pangborn entwickelte Dr. Brudnak schließlich ein Enzympräparat, welches auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Autismus ausgerichtet ist.

Wann soll es benutzt werden?

Der Gebrauch des DPP-IV-Enzyms ist nach Aussage des Herstellers Kirkman Labs dann angezeigt, wenn versteckt, ungewollt oder bewusst Kasein oder Gluten mit der Nahrung zu sich genommen wird. Dies bedeutet, dass dieses Präparat eine Lösung für solche Kinder darstellen könnte, wenn aus irgendwelchen Gründen die Einhaltung einer gf/kf Diät nicht oder nur sehr schwer oder nicht immer möglich ist. Wie wir finden ist dies eine der besten Nachrichten des Jahres 2001!

Das Präparat kann laut Hersteller also sicher von Menschen genommen werden, die eine gf/kf Diät einhalten als auch von denen, welche ungewollt Gluten oder Kasein zu sich genommen haben oder die Diät unterbrochen haben. Kirkman Laboratories empfiehlt trotzdem die Einhaltung einer gf/kf Diät, weil diese Methode - wissenschaftlich und klinisch getestet - bei Problemen mit opiaten Peptiden sehr effektiv ist, welche beim Autistischen Syndrom vorhanden sind.

Kirkman Labs versichert weiterhin, dass die Präparate absolut sicher und ungiftig seien. Lediglich in wenigen Ausnahmefällen sei der Arzt vorher zu konsultieren (schwere IgE-bedingte allergische Reaktionen). Auf diese Ausnahmefälle gehen wir nicht ein, da wie bereits erwähnt für uns Eltern aus Deutschland ohne ärztliches Rezept sowieso nichts geht.

Diese Informationen haben wir als Service für unsere Leser, die entweder keinen InterNet-Zugang haben und/oder nicht über ausreichende englische Sprachkenntnisse verfügen, von der Webpage der Fa. Kirkman Labs entnommen.

Wie immer empfehlen wir jedem, insbesondere den Ärzten, sich direkt auf der englischsprachigen Webpage oder direkt bei Kirkman Labs zu erkundigen.