Auszüge aus der 13. Ausgabe
Streiflichter der 1. Eppelheim-Tagung vom 29./30.September 2001:

Zusammenhänge zwischen Hefen und Autismus

Auszüge aus dem Eröffnungsreferat von Dr. William Shaw
Über die Bedeutung von Hefen und Darmpilzen berichten wir seit unserer 6. Ausgabe. Dass sich der Leiter des Labors    "The Great Plains Laboratory", Dr. William Shaw auf diesem Gebiet besonders hervorgetan hat, dürfte unseren Lesen ebenfalls bekannt sein. Dr. Shaw war der erste Redner auf der Fachtagung und er begann seinen Vortrag, indem er noch einmal erläuterte, welche Bedeutung Hefen und Pilze wie der Candida albicans für autistisch Behinderte haben kann.
Nicht nur, dass die Hefezellen den ganzen Darmtrakt, also das Verhältnis der Mikroorganismen untereinander, durcheinander bringen, es entstehen mit der Zeit auch Löcher in der Darmwand. Dr. Shaw führte weiter aus, dass Nahrungsmittelmoleküle, die nicht richtig verdaut wurden, durch den Blutstrom in den Körper gelangen, worauf es zu Lebensmittelallergien kommen kann. Dies führt wiederum zu Infektionen, welche mit Antibiotika behandelt werden. Antibiotika wiederum töten die schlechten, aber auch die guten Bakterien. Da sich bei der Wiederbesiedlung des Darms Hefen und "schlechte" Bakterien viel schneller entwickeln als die "guten", führt dieser Kreislauf dazu, dass sich die Hefen immer stärker ausbreiten mit all den damit verbundenen negativen Begleiterscheinungen.

Doch woher kommt die Hefe, die sich wie ein Krebsgeschwür verbreitet und so großen Schaden anrichten kann. Dr. Shaw gab darauf mehrere Antworten: Defekte im Immunsystem, eine Impfung oder ein früherer Kontakt mit giftigen Schwermetallen, all dies seien Möglichkeiten, diesen verhängnisvollen Kreislauf anzustoßen.

Die Frage nach dem WOHER ist sicherlich nicht unbedeutend, wenn es darum geht, heute noch junge Kinder vor Schaden zu bewahren. Für die meisten Eltern dürfte jedoch diese Frage eher zweitrangig sein, weil das schädigende Ereignis bzw. die schädigenden Ereignisse bereits Jahre zurück liegt bzw. liegen.

So stellt sich eher die Frage: "Wie kann ich feststellen, was mit meinem Kind los ist?" Dr. Shaw erläuterte deshalb den Zuhörern, welche Techniken bis dato entwickelt worden sind und welch umfangreiche Testergebnisse beispielsweise mit nur einem Fingerhut Urin erzielt werden können. Zum besseren Verständnis stellte er das Profil eines gesunden Kindes und hernach das eines autistisch behinderten Kindes vor, wobei schon für die Laien ersichtlich war, dass das autistisch behinderte Kind ein Vielfaches an schädlichen Organismen im Körper hat.
Leider hört man auch heute noch immer von vielen Eltern den Spruch, dass sie nicht glauben würden, dass ihr autistisch behindertes Kind Hefeprobleme habe. Aussagen dieser Art zeugen davon, dass das Hefeproblem entweder unterschätzt wird oder sich viele gar keine richtigen Vorstellungen davon machen können, was Hefe anrichten kann.

Dr. Shaw führte dazu aus, dass er seine Beobachtungen bereits über einen längeren Zeitraum gemacht und dabei viele Komponenten gefunden habe, die im Vergleich zu normalen Kindern stark erhöht waren und deren Spur verfolgt werden konnte als Nebenprodukte oder ausgeschiedene Produkte von abnormalen Mikroorganismen des Darmtrakts.

Während Untersuchungen bei gesunden Kleinkindern nur Spuren von Hefen im Darmtrakt ergaben, so findet man bei autistisch behinderten Kindern oftmals eine abnormal hohe Population von Hefen und schädlichen Darmpilzen.
Gerade bei autistisch behinderten Kindern, die zunächst eine normale Entwicklung durchlaufen haben, die gesprochen haben, Augenkontakt halten konnten oder ein normales Schlafverhalten gezeigt hatten, doch die dann in jungen Jahren nach und nach sich wieder zurück entwickelt haben, ist sehr stark zu vermuten, dass zu diesem Zeitpunkt das Hefeproblem begonnen hatte. Ein ganz starkes Zeichen ist es, wenn das Kind zu diesem Zeitpunkt Ausschläge im Mund oder an den Genitalien hatte - verursacht durch Hefen wie z.B. den Candida albicans.

Dr. Shaw stellte die Geschichte eines solchen Kindes vor, welches dann ins Krankenhaus eingeliefert worden war, als die Eltern keine Kraft mehr hatten, weil das Kind nur noch ein bis zwei Stunden pro Nacht geschlafen hatte. Bei den dort getätigten Untersuchungen fand Dr. Shaw einen extrem hohen Wert an Weinsäure (150-mal höher als Normalwert). Dieses Kind wurde mit einer antifungalen Medizin wie z.B. Nystatin behandelt und hatte bei Kontrolluntersuchungen nach zwei Monaten wesentlich geringere Werte an Weinsäure. Gleichzeitig war auch die Hyperaktivität zurückgegangen und das Kind konnte wieder 8 Stunden in der Nacht schlafen und wieder Augenkontakt halten.

Dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Hefe, Weinsäure und Verhalten bestand, zeigte sich bald darauf, als die Mutter die tägliche Dosis reduzierte, weil der Vorrat an Nystatin zu Ende zu gehen drohte und sie nicht wusste, ob sie bald wieder ein neues Rezept bekommen würde. Eine interessante Anmerkung hierbei: Ausnahmsweise ist es einmal umgekehrt, denn Nystatin ist in den USA rezeptpflichtig, jedoch bei uns in Deutschland nicht. Doch zurück zu diesem Kind: Das Verhalten verschlechterte sich und die Weinsäure-Werte wurden wieder schlechter und die Wende kam erst dann, als die vorgesehene tägliche Dosis wieder eingenommen wurde. "Dies ist ein Muster, welches ich bei sehr vielen autistisch behinderten Kindern gesehen habe!" meinte dazu Dr. Shaw.

Ähnliche Beispielsfälle hatten wir bereits in den zurück liegenden Ausgaben berichtet. Wir erhielten aber auch einige Anrufe von Eltern, die uns erzählten, dass ihr Kind diese typische Geschichte mit vielen Antibiotika zum Beginn der "Autismus-Karriere" nicht hatte. Wir wussten daraufhin auch keine befriedigende Antwort, sondern erhielten diese auch erst auf der Tagung von Dr. Shaw: Auch ein

Mangel an IGA kann Hefeprobleme erzeugen

Sehr oft wird bei autistisch behinderten Kindern beobachtet, dass ein extremer Mangel an IGA-Antikörpern vorliegt. Wenn diese Antikörper fehlen, dann gibt es auch keinen Schutz gegen Hefen und eine Überwucherung kann auch dann stattfinden, wenn keine so häufige Behandlung mit Antibiotika erfolgt ist. Allerdings - so Dr. Shaw - dauere die daran anschließende Anti-Fungal-Behandlung erheblich länger und weitere begleitende Maßnahmen sind notwendig. Der Test auf Antikörper ist deshalb unheimlich wichtig, doch wir werden in dieser Ausgabe noch gesondert auf die Tests eingehen.

Ein sehr wichtiger Faktor für das Entstehen von Hefen ist die Aufnahme von Zucker mit der Nahrung. Tests mit Mäusen haben ergeben, dass im Vergleich zu einer Kontrollgruppe die Gruppe Mäuse, die eine Zeit lang nur Zuckerwasser zu trinken bekommen hatte, etwa 200 Mal so viele Hefen hatten als die Kontrollgruppe.

Dr. Shaw betonte ausdrücklich: Eine Therapie gegen die Hefen und Pilze heilt den Autismus nicht, doch sie kann viele Aspekte des Autismus deutlich bessern, sei es der Blickkontakt, die Konzentrationsfähigkeit, das Sprachverständnis oder die Ausdrucksfähigkeit und die meisten autistisch behinderten Kinder werden nach der Behandlung merklich ruhiger. Insbesondere bei Kindern, die sehr aggressiv sind und vor allem bei Kindern, die sich selbst verletzen, hat eine Antifungal-Therapie relativ rasch erstaunliche Wirkungen gezeigt. Dr. Shaw demonstrierte dies den Zuhörern recht eindrucksvoll mit zwei Beispielsfällen, wobei der Betroffene des zweiten Falls dem Kindesalter bereits entwachsen war.

Dr. Shaw führte weiterhin aus, dass die gleichen positiven Veränderungen beim Einhalten einer gluten- und kaseinfreien Diät beobachtet werden konnten. Dafür gibt es einen interessanten Zusammenhang, der aber auch den Forschern nicht gleich augenscheinlich war.

Zusammenhang zwischen Hefe und Gluaten/Kasein

Dr. Shaw begann seine Erläuterungen damit, dass viele Autoren, die sich in der Vergangenheit mit dem Hefeproblem beschäftigt haben, gleichzeitig zum Weglassen von Milch und Weizen aus der Nahrung geraten hatten. Man hielt dies in Fachkreisen lange zeit für ein altes Ammenmärchen, weil Milch und Mehl weiß seien, doch Dr. Shaw konnte den Zuhörern eindrucksvoll demonstrieren, dass zwischenzeitlich belegbare Wechselwirkungen zwischen dem Hefeproblem und dem Problem mit Gluten und Kasein gefunden werden konnten.

Anhand von Folien erläuterte der Biochemiker, wie es bei der Verdauung von Gluten und Kasein zu den Gliado- und Kasomorphin kommen kann, also den Opiaten, über die wir seit der 8. Ausgabe immer wieder berichtet haben und die es notwendig machen, dass alle mit diesem Problem betroffenen autistisch Behinderten eine gluten- und kaseinfreie Diät einhalten sollten.
Wenn man sich eine Vorstellung über die Struktur von Peptiden machen will, dann ist der bildhafte Vergleich zu einer Perlenkette sehr gut dazu geeignet, sich eine Vorstellung davon zu machen. Jede Perle ist eine Aminosäure und die Farbfolge zeigt, dass jedes Peptid anders ist, je nachdem, wie die Aminosäuren angeordnet sind.

Gliadorphin und Kasomorphin sind dabei in ihrer Struktur sehr ähnlich. Deshalb überrascht es nicht, dass diese Stoffe zu den gleichen Abnormitäten führen können.

Das Enzym DPP IV spielt eine ganz große Schlüsselrolle

Eine besondere Bedeutung bei der Spaltung der Peptide in die einzelnen Aminosäuren spielt dabei das Enzym DPP IV, auf welches wir in dieser Ausgabe noch einmal gesondert eingehen werden. Welche Bedeutung dieses Enzym insgesamt und insbesondere für autistisch Behinderte hat, kann möglicherweise noch gar nicht abschließend bewertet werden, denn es kommt, teilweise jedoch unter einem anderen Namen, noch im Immunsystem (T- und natürliche Killerzellen), in der Leber, in der Speicheldrüse, in der Niere als auch in der Blut-Hirn-Schranke vor. Im Dünndarm spielt es bei der Aufspaltung von Peptiden eine gewichtige Rolle, was für das Gluten- und Kaseinproblem von autistisch Behinderten von sehr großer Bedeutung ist.

Dr. Shaw erläuterte anhand von Graphiken ausführlich Schritt für Schritt, wie und in welchen Konstellationen DPP IV wirkt. Wir wollen dies in dieser Ausgabe nicht detailliert wieder geben, denn die entscheidende Botschaft für uns Eltern ist, dass die Forscher auch heraus gefunden haben, von welchen Stoffen bzw. unter welchen Konstellationen DPP IV in seiner Wirkung gehemmt oder sogar ausgeschaltet wird. Man spricht in diesem Fall von Inhibitoren und deren Spur konnten die Forscher in einigen Fällen als bedeutende Nebenprodukte von Candida albicans nachvollziehen.

Wie wichtig, diese Erkenntnis ist, erläuterte Dr. Shaw, indem er erklärte: "DPP IV ist nicht nur wichtig beim Aufbrechen von Weizen und Milch, sondern es hat noch weitere Funktionen im Körper. Im Zusammenwirken mit anderen Peptiden werden Blutdruck, Emotionen und Gefühle, Wahrnehmung von Schmerz, Verhalten als auch das Wachstum gesteuert.

Einige dieser Peptide haben Anti-Candida-Wirkung, wenn also DPP IV nicht funktioniert, dann verliert der Körper seinen Schutz gegen Candida. Sehr viele Regulatoren im Immunsystem werden von DPP IV beeinflusst und funktionieren nicht (richtig), wenn DPP IV defekt oder blockiert ist!"

Dr. Shaw berichtete weiter von Tests, die er zusammen mit seinen Mitarbeitern durchgeführt hat. Daraus kann gefolgert werden, dass die in Impfstoffen enthaltene Gelatine einen wesentlichen Anteil dafür hat, wenn die Enzymaktivität von DPP IV zurückgegangen ist. Dies gilt insbesondere für Mehrfachimpfungen, da dort die Gelatine in viel höherer Konzentration benutzt wird als bei Einfach-Impfungen.

Soweit das Wichtigste aus dem ersten Vortrag von Dr. Shaw, der eindrucksvoll demonstriert hat, dass es zwischenzeitlich doch etliche wissenschaftlich fundierte Ansätze gibt, autistisch behinderten Kindern effektiv helfen zu können. Dr. Shaw erläuterte im weiteren Verlauf dieser Tagung noch, welche Testmöglichkeiten er in seinem Institut anbieten kann. Wir werden dies in dieser Ausgabe gesondert behandeln.

Lesen Sie weiter noch den Beitrag Kurz-Info über Dr. Shaw und sein Institut