Auszüge aus der 13. Ausgabe
PDF herunter laden
Dr. Jeff Bradstreet, M.D. (http://www.gnd.org/autism)

Aus der Sicht eines Arztes

Übersetzung aus The ANDI News, Jahrgang 2, Ausgabe 3, Sommer 1999
Als Arzt habe ich Tausende von Medikamente zur Behandlung meiner Patienten zur Verfügung. Doch keines der Medikamente hat wohl die Wirkung wie die Energie der Eltern, die mit ihren autistisch behinderten Kindern eine gluten- und kaseinfreie Diät durchführen, um deren Autismus zu bekämpfen.

In meiner Eigenschaft als medizinischer Direktor des Autismus Forschungszentrums in Palm Bay, Florida habe ich viele Kinder, aber auch Erwachsene mit Autismus behandelt. Ich habe jedes mögliche Mittel probiert, um diesen Patienten zu helfen. Aber ich habe noch eine andere Perspektive, weil mein Sohn unter Autismus und meine Tochter unter Dyspraxie (partielle Bewegungskoordinations-störung) leidet. Oder sollte ich sagen, mein Sohn hatte Autismus und meine Tochter hatte Dyspraxie?

Denn beide Kinder konnten sich radikal verbessern, indem sie bestimmte Diäten eingehalten haben. Dr. Cade von der Universität von Florida hat erklärt, was wir in Bezug auf gluten- und kaseinfreie Diäten bereits wissen:

81% der Kinder, die allein diese Diät eingehalten haben, zeigen bemerkenswerte Fortschritte. Kein Medikament hat je solch eine Erfolgsquote erreicht.

Ich persönlich habe mehr als 1.500 Sekretin-Infusionen autistisch behinderten Kindern gegeben. Meine gemachten Erfahrungen ergeben ein deutliches Schnittmuster: Gluten- und kaseinfreie Kinder profitieren von Sekretin viel mehr.

Gluten und Kasein sind sowohl immunologisch als auch neurochemisch sehr signifikant. Sie schädigen unsere Kinder auf zwei verschiedene Weisen: Zuerst richten sie Schaden an, wenn das Immunsystem auf Gluten und Kasein mit allergischen oder verzögerten hypersensitiven Reaktionen reagiert. Zum zweiten können die unvollständig verdauten Proteine Nachrichten von Hirnzellen transportieren, die wie berauschende Drogen wirken.

Deshalb gilt für vier von fünf autistisch behinderten Kinder, dass das, was in der Küche passiert wesentlich entscheidender ist als alle Therapien, Medizin, Immunologie, Pilze oder andere schlechte Dinge, mit denen sie sich infizieren.

Deshalb glaube ich, dass eine Autismus-Therapie immer mit einer gluten- und kaseinfreien Diät beginnen muss. Ich verurteile dabei nicht andere Therapieformen, doch die Diät ist etwas, was Sie als Eltern kontrollieren können. Dabei braucht man nicht unbedingt teure entsprechend behandelte Nahrungsmittel kaufen. Stärke ist auch vorhanden in Kartoffeln, Mais und Reis. Es gibt großartige glutenfreie Brote und Kräckers, aber wenn es Ihre Zeit oder auch ihre finanziellen Mittel es nicht erlauben, solche Dinge herzustellen oder zu kaufen, dann kann man die Diät auch mit Fleisch, Fisch, Früchten, Gemüse, Kartoffeln, Mais und Reis beginnen. Wenn Ihr Kind diese Dinge nicht isst, versuchen sie zunächst, jede Woche ein gluten- oder kaseinhaltiges Lebensmittel wegzulassen und ergänzen Sie die Nahrung mit Dingen, die es mag.

Es gibt aber auch wirklich schwierige Fälle. Gerade bei älteren Kinder kann beobachtet werden, dass sie nur gluten- und kaseinhaltige Lebensmittel gerne essen und das ganze Haus nach ihnen durchsuchen. Da gebe ich gerne ReVia (Naltrexone / keine Übersetzung möglich, die Red.). Dieses verschreibungspflichtige Mittel, ein narkotischer Antagonist, kann Kindern helfen, indem es dem Essen beigemischt wird.

Ich hoffe, dass diese Zeilen Sie dazu ermuntern und motivieren, ernsthaft eine solche Diät mit ihrem Kind zu beginnen. Ich möchte zum Schluss bemerken, dass die Diät ein Jahr lang zu 100 % eingehalten werden muss, bevor man über die Ergebnisse urteilen sollte.